„Mär vom aufgeblähten deutschen Staat“ per Datencheck entkräftet

16-02-2024 (pm/red) Anders als bisweilen behauptet, sind die Staats- und Sozialausgaben in Deutschland weder im internationalen noch im historischen Vergleich besonders hoch – und zuletzt auch keineswegs stark gewachsen. Das zeigt eine neue Datenanalyse des …

Lesen Sie den gesamten Beitrag »
Kultur

Hessische Geschichten

Kassel

Hessen Kassel Heritage

Kunst

Home » Allgemein

Demokratieförderung als Bildungsauftrag gegen Rassismus und Diskriminierung

Kordula Weber von Arbeit und Bildung e.V. begrüßte zum Fachtag für Demokratieförderung. Foto Kerstin Warnecke

30.03.2023 (pm/red) Um der Zunahme von Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit aktiv entgegenzuwirken, hatte Arbeit und Bildung zu einem Fachtag in die Waggonhalle eingeladen. Unter dem Titel „Bildungsauftrag Demokratieförderung: verstehen – befähigen – verantworten“ waren rund 50 Personen aus Lehre und Bildung zusammengekommen, um gemeinsam mit prominenten Redner/innen Lösungen für die drängenden Aufgaben und Anforderungen an die Bildungsarbeit zu finden.

Für Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, der den Fachtag eröffnete, ist die Auseinandersetzung mit diesem Thema besonders nötig. Er zieht Parallelen zu den 1920er Jahren und appelliert an einen sensiblen Dialog der Vielfalt. Er verdeutlicht, wie wichtig es für eine demokratische Gesellschaft ist, sich gegenseitig zu begegnen, ohne dem Gegenüber unlautere Motive zu unterstellen.

Kordula Weber, Geschäftsführerin von Arbeit und Bildung e.V., betonte mit Blick auf eigene biographische Erfahrungen, dass vor allem Erziehung und Bildung eine zentrale Rolle dabei spielt, Rechtsextremismus zu verhindern. „Angesichts aller aktuellen Herausforderungen dieser Zeit, braucht es ein Selbstverständnis, das die politische Bildung ins Zentrum rückt und als Grundlage jeglichen pädagogischen Handelns begreift“, so die Chefin des Bildungsträgers. Wie das gelingen kann, haben Experten aus unterschiedlichen Bereichen der Universitäten Frankfurt und Marburg, der Marburger Polizei und des Demokratiezentrums Hessen aus ihrer Sicht verdeutlicht und zur Diskussion gestellt.

Lennart Biskup, studierter Politikwissenschaftler bei der Polizei Mittelhessen, Abteilung Prävention politisch motivierter Kriminalität, gab Einblicke in die geänderten Anforderungen an die Sicherheit in den letzten Jahren. Es gäbe nicht mehr das klassische Bild des springerstiefeltragenden Neonazis. Extremismus sei vielschichtiger und diffuser geworden und sei mit Reichsbürgern, Verschwörungstheoretikern, Esoterikern und Populisten in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Neben grundsätzlichen Herausforderungen, stellte Professor Dr. Benno Hafeneger das wiederkehrende Muster dar, wie die AfD versucht, Institutionen und Personen der Sozialarbeit, der Kinder- und Jugendhilfe zu stören, zu diffamieren und einzuschüchtern. Das Erkennen des Musters helfe angemessene Strategien gegen diese Versuche zu entwickeln.

Sozialpsychologe Professor Dr. Ulrich Wagner verdeutlicht die psychologischen Mechanismen, die Rechtsextremismus begünstigen. Für Lehrende kann das bedeuten, dass sie den Kindern und Jugendlichen diese Mechanismen beibringen sollten, damit sie Tendenzen des Extremismus erkennen.

Nora Zado vom in Marburg angesiedelten Demokratiezentrum Hessen rief dazu auf, schon in der Früherziehung auf Demokratie und Kinderrechte hinzuarbeiten. Kinder zur Mitbestimmung zu motivieren, könne eine wesentliche Grundlage für die demokratische Entwicklung der Gesellschaft sein.

Für Maria Schneider und Philipp Klingler von der Uni Marburg ist es wichtig, dass Lehrende Haltung zeigen. Dabei muss unterschieden werden zwischen den Menschen und den geäußerten politischen Positionen. Sollen Kinder und Jugendliche dazu ermutigt werden, ihr eigenes Denken und die eigene Weltanschauung zu hinterfragen, müssen sie als Person akzeptiert werden. Wenn sich jemand angegriffen fühlt, wird diese Person sich verteidigen. Dann allerdings gibt es keine Möglichkeit gemeinsam eine demokratische Haltung zu entwickeln.

Demokratieförderung als Bildungsauftrag

Der Fachtag hat deutlich gemacht, dass die Bekämpfung rechtsextremistischer Einstellungen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Diese Verantwortung ernst zu nehmen, bedeutet Demokratieförderung als Bildungsauftrag anzunehmen. Arbeit und Bildung e.V. will sich für diesen Bildungsauftrag stark machen. Felix Klinger, Abteilungsleiter und Moderator des Fachtages, erklärt: „Die vor zwei Jahren geschaffene Abteilung für politischen Bildung hat bereits Workshops und Trainings für Lehrende angeboten und wird dies weiter tun. Es sollen Angebote für die Stadtteilarbeit aufgebaut werden, um Menschen darin zu befähigen und zu motivieren, sich vor Ort zu engagieren. Auch ein Vorhaben zur Sichtbarmachung der Menschenrechte ist in Planung“, so Klinger.

Contact Us