Lebensraum und Nahrungshabitat Streuobstwiesen brauchen Baumpaten

Streuobstwiese an einem Wiesenhang in Breidenbach. Foto Judith Ziemek
29.08.2025 (pm/red) Streuobstwiesen waren und sind nicht alleine kulturhistorische und landschaftsprägende Elemente. Lange Zeit wurde dort Obst traditionell flächendeckend geerntet und verwertet. Inzwischen sind Streuobstwiesen vor allem Lebensraum und Nahrungshabitat für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Doch inzwischen gebe es immer weniger Interessierte, die sich für die Pflege und den Erhalt betätigen, muss im Landkreis festgestellt werden. Höchste Zeit für Maßnahmen gegen einen zunehmende Nachwuchsmangel, wird mitgeteilt.
Projekt zur Pflege von Streuobstwiesen in Breidenbach
So werden für Streuobstwiesen in Breidenbach, die dort wie andernorts auf regelmäßige Pflegemaßnahmen angewiesen sind, „Baumpaten“ gesucht. Der Landschaftspflegeverband (LPV) Marburg-Biedenkopf e.V. hat ein Projekt gestartet um interessierte Privatpersonen als „Baumpaten“ zu gewinnen.
Es gebe zwar viele Streuobstbäume und -alleen , doch vielerorts und konkret in Breitenbach mangelt es an der notwendigen Pflege zum Erhalt der Bestände. Mit dem Projekt „Streuobst wieder wertschätzen“ möchte man „Baumpaten“ gewinnen. Diese werden über zwei Jahre professionell begleitet und ausgebildet.
Vogelarten wie Steinkauz und Gartenrotschwanz oder baumhöhlenbewohnende Fledermäuse, aber auch Insekten wie Wildbienen und Hornissen tummeln sich auf der Streuobstwiese. Bedingt durch den landwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturwandel sind viele dieser wertvollen Bestände verloren gegangen oder weisen teilweise starke Pflegedefizite auf. Somit ist es wenig verwunderlich, dass Streuobstwiesen auf der „Roten Liste“ als „stark gefährdeter Lebensraumtyp“ eingestuft und nach Paragraf 30 des Bundesnaturschutzgesetzes geschützt sind.
Beim LPV Marburg-Biedenkopf geben der zunehmende Nachwuchsmangel und das oft altersbedingte Ausscheiden von Experten Anlass zur Sorge. „Streuobstmaßnahmen auf Landkreis- und kommunaler Ebene sehen sich zunehmend mit der Problematik fehlender zeitlicher, personeller und finanzieller Ressourcen konfrontiert“, wird mitgeteilt. Es werde daher beinahe überall schwieriger den Lebensraum Streuobstwiese zu erhalten.
Diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, erfordert kreative Ansätze, die insbesondere interessierte Privatpersonen einbeziehen. Dafür hat der LPV das Pilotprojekt „Streuobst wieder wertschätzen“ initiiert. Interessierte Privatpersonen übernehmen im Projekt die Patenschaft für mindestens einen Streuobstbaum mit Pflegebedarf und werden fachkundig geschult und begleitet. Somit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt von Streuobstwiesen. Das Projekt ist im August 2025 gestartet und endet im August 2027.
Als Baumpate den Lebensraum Streuobstwiese kennenlernen
Der LPV Marburg-Biedenkopf e.V. sucht nun „Baumpaten“. Alle, die Lust haben sich mit Streuobstpflege und -verwertung zu beschäftigen und die den Lebensraum Streuobstwiese mit all seinen Facetten kennenlernen möchten, können eine Patenschaft übernehmen. Ob als Einzelperson oder als Gruppe – alle sind herzlich eingeladen, Pate oder auch „Patengruppe“ zu werden. Die Paten/Patengruppen übernehmen die Patenschaft für mindestens einen Streuobstbaum und werden in rund 80 Stunden über einen Zeitraum von zwei Jahren professionell geschult, angeleitet und begleitet.
Schwerpunkte liegen dabei auf der Baumpflege (Pflegeschnitt, Pflanzung, Baumgesundheit, …) und dem Lebensraum Streuobstwiese (Wiesenpflege durch Beweidung mit Exkursion, Tiere und Pflanzen der Streuobstwiese, …), aber auch auf der Ernte und Verarbeitung. Ziel ist es, den Paten/Patengruppen die Kenntnisse und Fähigkeiten zur vermitteln, sich auch über das Projekt hinaus sicher und eigenständig um ihre Patenbäume kümmern zu können.
Die Paten/Patengruppen tragen somit aktiv zum Erhalt des Lebensraums Streuobstwiese bei. Die Streuobstbäume befinden sich in direkter Ortsnähe zu Kleingladenbach in der Gemeinde Breidenbach. Die ersten Schulungsstunden starten im Oktober 2025. Die Teilnahme am Projekt ist kostenlos. Interessierte können sich bis zum 09. Oktober 2025 telefonisch (06421/406-6228) oder per Mail (info@lpv-mr-bid.de) beim LPV melden.
Das Projekt wird im Rahmen der LEADER-Region „Lahn-Dill-Bergland e. V.“ gefördert.