„KIdiversity“ im Rathaus: Kunst trifft auf künstliche Intelligenz

24.02.2024 (pm/red) Als „KIdiversity“ präsentiert die Blaue Linse Marburg im Rahmen des 6. Photo.Spectrum Marburg neuste Werke. Elf FotografInnen wollen in Sphären der künstlichen Intelligenz (KI) eintauchen.

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Die Rhönrad-Weltmeisterin fliegt mit German Wheel – Laura´s Geschichte mit dem großen Rad

Marburg 2.7.2011 (yb) Laura, um die es in dieser Geschichte geht, ist mit sechs Jahren zum Kinderturnen gegangen. Schnell wurde klar, dass das kleine Mädchen besonderes Potential für gymnastische und turnerische Betätigung hatte. So wechselte Laura später vom örtlichen Kinderturnen zu einem Turn- und Sportverein in einer Nachbarstadt. Zwei mal in der Woche Training machten im Laufe eines Jahres sichtbar, dass sie das Zeug dazu hatte mehr zu leisten, als das Training dort und die äußeren Bedingungen hergeben konnten.

Freundinnen von Laura waren bereits als Rhönradturnerinnen aktiv, beim TSV Marburg-Ockershausen. Im Sportteil der Lokalzeitung gab es immer wieder Berichte vom Rhönradturnen, auch solche mit Foto. Davon haben die Freundinnen Laura erzählt.
„Ooh, ich will auch mal so in der Zeitung sein“ dachte Laura und berichtet dies gute 15 Jahre später im Gespräch mit der Redaktion.
Laura wollte also mit 8 Jahren wie ihre Freundinnen zum Rhönradturnen gehen. Wenn das nur gegangen wäre. Sie hatte viel trainiert und war eine gute Turnerin. Daran lag es nicht. Doch Laura war nun einmal ein kleines Mädchen. Es gab beim Verein kein Rhönrad, mit dem sie hätte üben und trainieren können. Die großen runden Turngeräte mit den zwei plastikummantelten Rädern aus gebogenem Stahlrohr waren allesamt zu groß für sie.
„Der Trainer hat zu mir gesagt, ich soll wieder kommen, wenn ich etwas gewachsen bin“ berichtet Laura von diesem ersten und für sie enttäuschenden Versuch mit dem Rhönradturnen. Nach einem Jahr ist Laura dann wieder in die Rhönradabteilung beim TSV Marburg-Ockershausen gegangen.

Dazu hat sie mit dem normalen Turnsport aufgehört. 15 Jahre liegt jetzt dieser Anfang von Lauras Karriere als Rhönradturnerin zurück. Sie hat es weit gebracht in dieser Zeit. Vor vier Wochen holte Laura Stullich drei Titel als Weltmeisterin, nach 2005 jetzt schon zum zweiten Mal.

Dass das Rhönradturnen zu etwas Anderem geworden ist als das Turnen vorher, berichtet die frischgebackene Weltmeisterin aus ihrer Anfangszeit. Vier mal Training in der Woche, es gab Wettkämpfe in anderen Städten, dadurch ist sie viel herumgereist. In 1999 nahm sie mit 12 Jahren an den Deutschen Meisterschaften in der Schülerklasse der 12 bis 15jährigen teil und holte den 12. Platz. Im Jahr  2000 wurde sie Vizeweltmeisterin und im Jahr 2001 holte Laura Stullich den Deutschen Meistertitel in der Schülerklasse nach Marburg und damit zugleich für ihren Verein.
2003 Vizeweltmeisterschaft als Jugendliche war die nächste Station im unaufhaltsamen Weg von Laura mit dem großen Rad. Inzwischen hatte sie längst ihr eigenes Rhönrad, genau für ihre Körpergröße zugeschnitten.

Mit 18 Jahren wurde Laura Stullich im belgischen Büttgendorf dann vierfache Weltmeisterin. Sie holte den Titel in den Disziplinen Gerade, Spirale und Sprung und damit zugleich den Mehrkampftitel. Das war im Jahr 2005. Das Abiturzeugnis in der Tasche stellte sie sich die Frage was werden sollte. Ins Ausland gehen? Das schon, aber als Au Pair?
Eigentlich kannst du mehr, sagte sich die Weltmeisterin im Rhönradturnen. Sie fand über das Internet die Zirkusschule in St. Paul im Bundesstaat Minnesota in den USA. Sie bekam Visum mit Arbeitserlaubnis und einen Jahresvertrag. Als Trainerin im Circus Juvenas hat sie gearbeitet und ist zugleich als Artistin aufgetreten. German Wheel heißt dort das inzwischen über den großen Teich gewanderte Gerät.

Beim Circus Juvenas war es gut, die Arbeit als Coach war okay und die Auftritte als German-Wheel-Artistin waren okay – für ein Jahr. Laura hatte sich überlegt, dass sie mehr will und kann. Studieren wäre gut, in englischer Sprache, mit Reisen und Organisieren konnte es zusammenhängen. „Wo jeder in Deutschland BWL studiert, wollte ich das halt nicht machen“ erzählt die sympathische und präsente Weltmeisterin.

An der University of Applied Sciences in Breda, Stadt mit 160.000 Einwohnern nahe Rotterdam, belegte sie den Studiengang International Tourism Management.
Sieben Semester hat sie sich gegeben und eins davon in Thessanoliki in Griechenland verbracht. Inzwischen hat sie den Bachelor of Business Administration in Tourism Management.
Zum Ende ihres Studiums stand die Weltmeisterschaft 2011 in Arnsberg im Sauerland an. Dafür die Süddeutschen Meisterschaften als Qualifikation, dann Deutsche Meisterschaften, bei denen sie den Einzeltitel im Geradeturnen holte. So konnte Laura Stullich Anfang 2011 ihre intensive Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft beginnen. Nach vier Trainingsmonaten hat sie die Taschen gepackt, um nach Arnsberg zu fahren. Aus 16 Ländern und Nationen sind 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Trainern, Betreuerinnen und Begleitern in das Sauerland gereist, um herauszufinden, wer die Weltbesten sind mit dem German Wheel, das in Deutschland weiter Rhönrad heißt.

So konnte Laura Stullich zwischen dem 1. und 4. Juni 2011 wieder einmal allen ihr Können zeigen. Sie wurde Einzelweltmeisterin im Geradeturnen, Vizeweltmeisterin im Spiralturnen, ist Weltmeisterin 2011 im Mehrkampf und hat Gold als Mannschaftsweltmeisterin. Das liegt jetzt vier Wochen zurück und einmal mehr haben die Zeitungen berichtet.
Inzwischen hat sie ein Flugticket gebucht. In die USA, wieder nach St. Paul geht die nächste Reise, wo Laura als Artistin für eine Sommershow gebucht ist und als Coach sehr gefragt ist.
Ein German Wheel wird sie im Flieger als Gepäck dabei haben. Es lässt sich in vier Teile zerlegen und wurde eigens für sie angefertigt.
Was Laura mit dem German Wheel Leuten in Amerika beibringt, wie die Weltmeisterin im Circus Juventas als Artistin auftritt und was sie danach vor hat, gibt es demnächst in das Marburger.

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