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Studie zum Vogelsbergkreis belegt: Demografischer Wandel gefährdet zahlreiche Dörfer im Bestand

Marburg 7.12.2011 (pm/red) Die Stadt Marburg kann auf stabile und sogar anwachsende Bewohnerzahlen blicken. Auch aus dem umgebenden Landkreis gibt es bisher keine Meldungen über dramatische Verluste hinsichtlich der Wohnbevölkerung. Doch allzuweit muss man nicht fahren oder blicken, um konkrete Anschauung in Sachen demografischer Wandel zu finden. Nicht alleine der oft zitierte Werra-Meißner-Kreis in Nordhessen steht vor dem Problem abnehmender Einwohnerzahlen. Eine  aktuelle Studie des Berlin-Instituts hat die demografische Entwicklung von Dörfern im hessischen Vogelsbergkreis und im thüringischen Kreis Greiz untersucht. Viele Orte blicken dort angesichts eines enormen Einwohnerschwunds in eine ungewisse Zukunft.

Logo und originelle Tourismuswerbung können Struktur und Trend nicht entgegenwirken. Von etwa 190 Orten des Vogelsbergkreises haben knapp 130 Dörfer weniger als 500 Einwohner. Fast alle Orte haben zwischen 2004 und 2010 Einwohner verloren, fünf Dörfer sogar mehr als 15 Prozent. Lediglich 13 Dörfer konnten ihre Einwohnerzahl stabil halten oder sogar wachsen. Auch auf Ebene der 21 Gemeinden sind nur Verluste zu vermelden.

Im Vogelsbergkreis fällt ein Sechstel, in Greiz sogar ein Fünftel der Dörfer mit weniger als 500 Einwohnern in einen als kritisch zu bewertenden Risikobereich. Politik und Kommunalplanung brauchen eine klare Strategie zur Zukunft des ländlichen Raumes, wenn es die dort geben soll.

So kann der zu Marburg benachbarte Vogelsbergkreis als typisches Beispiele für ländliche Regionen begriffen werden, die massiv unter dem demografischen Wandel leiden. Sie gehören zu den Gebieten mit den stärksten Bevölkerungsverlusten in Westdeutschland.

Im Vogelsbergkreis verläuft die Entwicklung dabei wie im Lehrbuch, lässt sich der Studie des Berlin-Instituts entnehmen. Kleinere Orte verlieren tendenziell stärker Bevölkerung als größere. Orte, die weiter von städtischen Zentren und von Infrastruktureinrichtungen entfernt liegen, schrumpfen stärker als Dörfer in deren Nähe.

Damit zeichnet sich ein Konzentrationsprozess der Bevölkerung auf größere und zentraler gelegene Orte ab, wie er überall dort in Deutschland zu beobachten ist, wo die Einwohnerzahlen sinken.

Innerhalb von nur sechs Jahren hat mehr als ein Viertel aller Dörfer am Vogelsberg mit weniger als 500 Einwohnern zwischen zehn und 22 Prozent der Bevölkerung verloren.

Auf der Suche nach Faktoren, die auf Stabilität oder Niedergang hinweisen, hat das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung Dörfer besucht und Daten zur Siedlungsstruktur und zum Zustand der Gebäude erhoben sowie die Fahrzeiten zu großen Städten und die Erreichbarkeit von Infrastruktureinrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Restaurants oder Bankfilialen ausgewertet.

Positiv auf die demografische Entwicklung wirken sich dabei kompakte Dörfer, Neubausiedlungen, eine attraktive landschaftliche Lage, aber auch eine aktive Bürgerschaft mit einem regen Vereinsleben aus. Umgekehrt stehen leer stehende oder gar verfallende Gebäude sowie langgestreckte, unstrukturierte Orte eher für demografischen Schwund.

Neben diesen Faktoren wirken sich vor allem die Dorfgröße, die Erreichbarkeit von Oberzentren mit wichtigen öffentlichen Einrichtungen und die Altersstruktur der Bevölkerung auf die Zukunftsfähigkeit der Dörfer aus. Aus diesen Kriterien wurde das Gefährdungspotenzial der Orte abgeschätzt.
Im hessischen Vogelsbergkreis fällt ein Sechstel aller Dörfer mit weniger als 500 Einwohnern in einen als kritisch zu bewertenden Risikobereich. Drei der kritischen Dörfer haben zwischen 2004 und 2010 mehr als 15 Prozent ihrer Einwohner verloren, zwei weitere sogar mehr als 18 Prozent.

Die demografische Lage im thüringischen Kreis Greiz ist noch dramatischer als im Vogelsbergkreis. Fast ein Drittel der etwa 200 kleinen Dörfer dort hatte Bevölkerungsverluste zwischen zehn und 30 Prozent zu verbuchen.

Das Berlin-Institut fordert, ehrlich mit den Bürgern betroffener Siedlungen umzugehen und die voraussichtliche Entwicklung der Dörfer offen zu diskutieren. Nur so können die Bürgerinnen und Bürger realistisch ihre Zukunft planen. Generell sei in Bundesländern mit sehr kleinen Kommunen die Bildung von Großgemeinden zu empfehlen, diese dann aber auch mit mehr Handlungsspielräumen und einem Regionalbudget auszustatten. Dies sind finanzielle Mittel, die den Regionen ohne detaillierte Zweckbindung zustehen. So kann ortsübergreifend von gewählten Bürgervertretern entschieden werden, wo Infrastruktur vorgehalten, wo Baugenehmigungen erteilt und wo nicht mehr investiert wird.

Darüber hinaus sollte ein Fonds eingerichtet werden, der Dorfrückbau und den Abriss von Schrottimmobilien finanziert. Damit können Ortskerne attraktiv gehalten oder nicht mehr benötigte Flächen an die Natur zurückgegeben werden. Zusätzlich sollten in Dörfern, in denen nur noch ältere Menschen leben, Angebote gemacht werden, die es den Bewohnern rechtzeitig ermöglichen, in zentrale Orte mit eine besseren Versorgungslage umzuziehen.

Mehr Informationen und Download der Studie auf der Webseite des Berlin Instituts.

 

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