„Kassel als junge Großstadt“  – Ein Bildband zeigt die verschwundene Pracht der Nordhessenmetropole

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Schloss Friedelhausen mit Plakette der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ausgezeichnet

Gesamtansicht von Schloss Friedelhausen. Foto Angus Fowler

Gesamtansicht von Schloss Friedelhausen. Foto Angus Fowler

Marburg 21.7.2016 Gastbeitrag von Angus Fowler Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) als größte Denkmalorganisation Deutschlands hat seit ihrer Gründung 1985 mit Lotteriemitteln und vielen privaten Spenden die Erhaltung etwa 5.000 historischer Gebäude gefördert, seit 1990 insbesondere im östlichen Deutschland. Aber auch in der Region Marburg-Gießen hat sie bedeutende Denkmale unterstützt, darunter das Kloster Schiffenberg, die Stadtmauer Kirchhains, das Schloß Elmshausen, die alte Fachwerk-Kapelle in Niedereisenhausen und mit beträchtlichen Mitteln das neugotische Schloss Friedelhausen.

Hessen-Lotto überreicht Scheck für 98.000 Euro
Entwässerungsprobleme am Dach und Efeubewuchs an den Mauern des Schlosses haben erhebliche Schaden verursacht. Fenster mussten repariert und aufgearbeitet werden. Am Freitag, 8. Juli 2016 überreichte  Ulrich Althaus (Marburg), neuer Kurator des Ortskuratoriums der DSD, begleitet von mehreren Mitgliedern des Ortskuratoriums, eine Plakette in Namen der DSD in Würdigung der Förderung durch die DSD und des intensiven Einsatzes der Eigentümer, Graf Curt Christoph von Schwerin-Schwerinsburg und seiner Frau, Gräfin Anna. Ein Vertreter von Hessen-Lotto überreichte einen symbolischen Scheck.

Bei der Übergabe im Schlossgarten: Oliver Pohland, Bezirksleiter Hessen-Lotto, Dr. Jutta Schuchard (Mitglied, Ortskuratorium Marburg, DSD). Anna Gräfin Schwerin, Curt Christoph Graf Schwerin, Ulrich Althaus (Ortskurator Marburg DSD), Prof. Dr. Gerhard Menk (Marburg/Gießen), Prof. Dr. Rainer Polley (Marburg) Foto Angus Fowler

Bei der Übergabe im Schlossgarten: Oliver Pohland, links, Bezirksleiter Hessen-Lotto, Dr. Jutta Schuchard (Mitglied, Ortskuratorium Marburg, DSD). Anna Gräfin Schwerin, Curt Christoph Graf Schwerin, Ulrich Althaus (Ortskurator Marburg DSD), Prof. Dr. Gerhard Menk (Marburg/Gießen), Prof. Dr. Rainer Polley (Marburg) Foto Angus Fowler

Graf Schwerin und Ulrich Althaus benannten in kurzen Ansprachen die besonderen Leistungen des begleitenden Architekten, Franziskus Hartmann (Weidenhausen/ Gladenbach) und der beteiligten Handwerker, insbesondere der Firma Eidam (Fronhausen/Lahn) für Arbeiten an Fenstern und andere Holzarbeiten. Fachliche Beratung gab das Landesamt für Denkmalpflege Hessen und die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises Gießen, vertreten bei der Feierstunde durch ihre Leiterin, Frau Charlotte Bairstow und einen Kollegen. Graf Schwerin dankte der Stiftung für die sehr großzügige Förderung und seiner Tochter, Charlotte, heute Pfarrfrau im Spreewald/Brandenburg, für ihre Initiative zum Antrag an die Stiftung.

Schloß Friedelhausen, nördlich des alten Renaissance-Herrenhauses der Herren von Rollshausen (um 1570 wohl von dem Marburger Baumeister Eberhard Baldewein entworfen, heute Hofgut Friedelhausen), wurde 1852-56 nach dem Erwerb des Gutes für das junge Ehepaar Adalbert von Nordeck zu Rabenau (1817-1892) und seine vermögende englische Frau, jüdischer Herkunft, Clara Phillips (1826-1867) errichtet. Der Entwurf für das Gebäude in Form eines spätgotischen englischen Herrenhauses mit Elementen der sog. „Decorated“ und „Perpendicular“ Stile (nicht Tudor-Stil, wie häufig behauptet) stammt vom Architekt, John Dobson (1787-1865) aus Newcastle-upon Tyne.

Dieser wurde bekannt durch seine Entwürfe seit etwa 1813 für Herrenhäuser in Nordengland, insbesondere in der Grafschaft Northumberland, sowohl in klassizistischen wie auch gotischen Stil. Bereits 1843 hat Dobsons Bekannte der berühmte englische Eisenbahningenieur, Robert Stephenson (1803-1859), im Auftrage des Kurprinzen und Regenten von Hessen-Kassel, Friedrich-Wilhelm die geplante, nahegelegene Trasse der Main-Weser-Bahn geprüft/begutachtet. Ausgeführt würden die Bauarbeiten am neuen Schloß unter der Leitung des hessen-darmstädtischen Bauaufsehers, Martin Unger (1822-1905), seit 1849 für die Unterhaltung der Bauten der Familie von Nordeck zur Rabenau verantwortlich, gelegentlich durch den Gießener Kreisbaumeister Holzapfel beraten.

Unger erhielt vom Bauherren, Adalbert von Nordeck zur Rabenau, verschiedene Bücher zur Architektur, etwa zur Gotik, und zu Herrenhaus-Bauten in England, eins davon von James Randall befindet sich heute im Architekturmuseum in Frankfurt. Malarbeiten, im Treppenhaus und in anderen Räumen wurden möglicherweise  durch den bekannten Kasseler Dekorationsmaler, Helwig Reinhard Hochapfel (1823-1903) entworfen.

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