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Über Megatrends in Marburg beim 3. Wirtschaftsforum der Stadt

02.11.2021 (pm/red)  „Alles neu! Alles anders! Alles besser?“ – zumindest für das 3. Marburger Wirtschaftsforum dürfe die Frage in der Überschrift des Abends getrost mit „Ja“ beantwortet werden, wird von der Stadtverwaltung zur Veranstaltung berichtet. OB Dr. Thomas Spies und die Fernsehmoderatorin Bärbel Schäfer begrüßten rund 130 Gäste aus Wirtschaft und Verbänden im Cineplex auf Einladung des städtischen Referats für Stadt-, Regional- und Wirtschaftsentwicklung.

Es wurden „Ideen und Innovationen, neues Denken, neue Geschäftsmodelle bis hin zu völlig neuen Unternehmenskonzepten aus Marburg in den Fokus“ gestellt, erklärte OB Spies. Jede große Herausforderung biete immer gleichzeitig eine Chance und Gelegenheit für Veränderung, für Bewegung, für neue Lösungen. Das gelte auch für so globale Krisen wie Corona oder die Klimakrise, so Spies.  Auch die Stadtverwaltung habe sich in der Krise in vielen Teilen neu erfunden, so der OB.

Das bestätigte die Hauptamtsleiterin der Stadt, Dr. Nicole Pöttgen, in der ersten Diskussionsrunde zum „Megatrend New Work“: zehn Mal mehr Homeoffice-Plätze als vor Corona, kurzfristig eingerichtet, technisch voll ausgestattet, dazu flexiblere Arbeitszeiten und -modelle in der Stadtverwaltung, für mehr Flexibilität und Lebensqualität – „das versuchen wir einzurichten, wo immer es möglich ist“. Dass das nicht überall praktikabel sei, liege angesichts hunderter Arbeitsplätze in Kinderbetreuung, Reinigung, Hausmeister- oder anderen technisch-praktischen Tätigkeiten auf der Hand. Auf der anderen Seite bietet ein „hohes Beharrungsvermögen“ in Verwaltungen laut Pöttgen den BürgerInnen in Krisen wiederum Verlässlichkeit.

Dass die öffentliche Hand mit einer gewissen Schwerfälligkeit nicht allein dasteht, berichtete Michael Schröder: „Auch ein Industrieunternehmen ist wie ein großer Tanker“, sagte der Geschäftsführer von CSL Behring in Marburg, „Veränderungen brauchen normalerweise viel Zeit.“ Trotzdem: Mit Corona sei sehr vieles sehr schnell gegangen: „Was vorher als ,Change‘ zwar formuliert, aber nie wirklich angepackt wurde, hat mit Auftauchen des Virus plötzlich funktioniert.“ So betonte auch Michael Schröder: Neue Arbeitsmodelle seien unerlässlich – „wir müssen Angebote machen, um attraktive Arbeitgeber zu sein“.

„Das Rad ist nicht mehr zurückzudrehen“, stimmte Martin Lacroix für den Start-up-Bereich des Lokschuppens Marburg zu. Der Lokschuppen bietet GründerInnen diesen Bereich als „Hub“, für Vernetzung, Austausch, Kooperation. „New work heißt sinnstiftende Arbeit, die man wirklich tun möchte, lokal und zeitlich flexibel, auch mit reduzierten Fahrwegen, mehr Freiräumen – als Anpassung an neue Bedingungen. Das hat die Pandemie gezeigt.“

 Über den zweiten „Megatrend Wissenstransfer“ und die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten die Marburger Professorin Dr. Simone Strambach mit dem Umweltinformatiker und designierten Präsidenten der Philipps-Universität, Prof. Dr. Thomas Nauss, und Dr. Peter Stumpf von TransMIT (Gesellschaft für Technologie-Transfer) vor dem Publikum. Ihr Credo: Krisen beschleunigen technische und soziale Entwicklungen, das Betreten neuer Pfade. Durch äußeren Druck öffnen sich Räume für Experimente und Veränderungen. Die Hochschulen müssen mit ihren neuen Ideen aus der Forschung auf die Unternehmen zugehen.

Weniger revolutionäre Technologien, aber  viel Aufbruch, Kreativität und notwendige Vernetzung zeichnet die Marburger Start-Ups der „Neo-Ökologie“ aus, die sich im Cineplex vorstellten. „Neo“ – also neue – Ökologie heißt der Trend, der Ökonomie und Ökologie verbindet. Das passt zu Marburg, weil „Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein ohnehin in der Stadt zu Hause sind“, wie Moderatorin Bärbel Schäfer die dritte Trend-Runde einläutete.

Über ihren jeweiligen Weg zum Unternehmertum aus ökologischen Gründen sprachen Lorenz Schaible von LieferMa, Sonja Krause von Kaufs lose und Ruth Werwai, die den Online-Wolle-Shop Raincloud&Sage gegründet hat. Alle vereint, dass sie mit ihren Firmen bislang ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können.

Viel Applaus aus dem Publikum erhielt Lorenz Schaible, als er davon berichtete, wie er mit seinen Mitgründern für die Marburger Gastronomie im Corona-Lockdown eine Marburger Alternative zu den großen Lieferdiensten aufgebaut hat – mit fairer Kommission, von denen LieferMa auch noch 25 Prozent aus jedem Auftrag an die Marburger Tafel spendet. Die Idee hinter der Spende, so Schaible: „Wenn wir etwas essen, sollen andere auch essen können.“

Dem Traum einer plastikfreien Welt und einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft versucht Sonja Krause mit ihrem Kaufs-lose-Laden näher zu kommen. Marburg sei dafür ein guter Standort, berichtete die gelernte Erzieherin. Und auch, dass ihr früherer Beruf sie bestens vorbereitet hat auf Selbständigkeit und Mitarbeiterführung. Aber: „Selbstständig heißt eben auch selbst und ständig“, so Krause. Ressourcenschonendes Arbeiten und regionale Lieferketten funktionieren nicht ohne gute Vernetzung, weiß sie. Die hat Kaufs lose mit anderen Läden in Hessen und ganz Deutschland: „Es läuft noch nicht alles perfekt, aber es wird immer besser“.

Dafür sowie für die Organisation und Programmgestaltung des 3. Marburger Wirtschaftsforums erhielten Anna Kaczmarek-Kolb und ihr Team dann auch noch viel Applaus von einem sichtlich zufriedenen Publikum im Cineplex.

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