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Bau der A 49 in Hessen mit 11.000 Tonnen Erde aus einer mit Hexyl kontaminierten Baugrube ?

Brückenbauwerk auf der Trasse der A 49. Foto Jochen Kramer

06.04.2023 (pm/red) Mehr als nur Ungereimtheiten beklagt Reinhard Forst von  der Aktionsgemeinschaft Schutz des Ohmtals beim Weiterbau der A 49. Eine fehlende Beprobung von über 11.000 Tonnen Erde aus einer mit Hexyl kontaminierten Baugrube veranlassen ihn zur Frage ob die Öffentlichkeit getäuscht wurde?

Jüngste Einsichtnahmen im Regierungspräsidium in Gießen würden zeigen, dass über 11.000 Tonnen Erde, die im Rahmen einer Nachuntersuchung hätten beprobt werden müssen, unbeprobt auf der Autobahntrasse der A49 liegen, und zwar in der Wasserschutzzone II, berichtet Forst.

Am 8. Mai 2022 war vom Regierungspräsidium Gießen eine Nachuntersuchung angeordnet worden, nachdem Anwohner auf der Autobahntrasse im Bereich der Artilleriestraße der ehemaligen Sprengstofffabrik der WASAG in Stadtallendorf hochgiftiges Hexyl (1) gefunden hatten. Bis zum Abschluss der Nachuntersuchung wurde ein Baustopp verhängt. Die Nachuntersuchung umfasste eine Freimessung der Baugrube und galt auch für über 12.000 Tonnen Erdmaterial, das aus der Baugrube bereits in einen anderen Bereich der Trasse beim Ort Niederklein verlagert worden war, und zwar aus der Wasserschutzzone III in die noch sensiblere Wasserschutzzone II. Untersucht wurde dafür eine Dammaufschüttung zwischen Bauwerk 9 und 10 der Autobahn südlich des Fokkenwegs. (2)

Aus den Unterlagen ließ sich Brisantes entnehmen:

  • Eine Woche nach Beginn der Ausgrabung der Baugrube mit dem Hexylfund, am 9. und 10.5.22, wurden 1.490 Tonnen Erde zwischen Bauwerk 9 und 10 eingebracht. Diese Erde wurde anschließend von 11.220 Tonnen anderem Material überlagert (3). Dass unter diesen Umständen bei oberflächlichen Schürfen bis 1m Tiefe keine Auffälligkeiten festgestellt werden konnten, ist nicht verwunderlich. (4)
    Aber das Entscheidende:
  • Von der Artilleriestraße (Bauwerk 3) wurden ab dem 2.5.22 11.580 Tonnen in den 260m langen, nicht beprobten Bereich zwischen Bauwerk 8 („Kirschbrückhege“) und 9 abgelagert. Sie stammt zudem aus oberflächennäheren Bereichen der Baugrube. Damit ist diese Erde sehr viel wahrscheinlicher kontaminiert als die Erde, die zwischen Bauwerk 9 und 10 eingebracht wurde.
  • Das bedeutet: nur gut 10 % der aus der betroffenen Baugrube verlagerten Erde wurde beprobt. Fast 90 %, über 11.000 Tonnen Erde aus dem oberen Bereich der Baugrube mit dem Hexylfund- liegen immer noch unbeprobt in der Wasserschutzzone II!

Das Regierungspräsidium Gießen wurde Mitte März 2023 über diese Sachlage informiert. Es liegt bislang keine Auskunft zum Ergebnis der Überprüfung vor.
Es stellen sich folgende Fragen:

  • 1) Warum zögert das Regierungspräsidium mit der Bearbeitung dieser unerklärlichen Missachtung der Anordnung zur Nachbeprobung?
  • 2) Wurde dem Regierungspräsidium die in den Fuhrscheinlisten dokumentierte Verlagerung in den Bereich zwischen Bauwerk 8 und 9 von der Bau-ARGE A 49 vorenthalten?
  • 3) Wieso konnten trotz des Baustopps noch bis zum 25. Mai über 10.000 Tonnen Erde in den Bereich zwischen Bauwerk 9 und 10 eingebracht werden?
    Die Faktenlage zeigt, dass kurzfristig Konsequenzen erfolgen müssen und die Erde zwischen Bauwerk 8 und 9 schnellstmöglich nachbeprobt werden muss, bevor Sprengstoffreste ins Grundwasser gespült werden.

1 https://www.danni-lebt.de/un-recht/baustopp/
2 Siehe Born/Ermel, Ergebnisbericht zur Freimessung der Baugrube an der Artilleriestraße und des ausgebauten Materials vom 2.8.22, S. 1 und 12. Hier wurden keine Auffälligkeiten festgestellt, so dass der Baustopp am 17. August 2022 aufgehoben wurde- https://rp-giessen.hessen.de/presse/baustopp-aufgrund-altlastenverdacht-wird-aufgehoben
3 4.570 Tonnen dieser Erde stammte aus dem unverdächtigen Bereich von Bauwerk 7, 6.650 Tonnen aus einem anderen Teil des WASAG Geländes. Diese Erde ist optisch nicht von der Erde aus der Artilleriestraße zu unterscheiden.
4 In dem Nachbericht ist dokumentiert, dass die Erde in unterschiedlichen Tiefen und in unterschiedlichen Mächtigkeiten eingebaut war (S. 11), dass dennoch nur der oberste Meter beprobt wurde (S.12) und dass es etliche Proben gab, die zu einem Großteil keine Erde aus der Artilleriestraße enthielten (S. 14).

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