Darum strahlen Perowskite hell: Forschungsteam der Physik erklärt Materialeigenschaften zukunftsweisender Halbleiter

05.06.2024 (pm/red) Es klingt paradox: Das Halbleitermaterial Perowskit ist zu besonders hellem Leuchten fähig, obwohl sein Grundzustand auf dunklen Exzitonen beruht. Warum das so ist, hat ein europäisches Forschungsteam unter Marburger Leitung beleuchtet, indem sie …

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„Ever. Present. Past.“ in Hessen Kassel Heritage – Hessische Kulturstiftung bringt Werke in eine spannungsvolle Dialog-Präsentation

Zur Eröffnung der Ausstellung „Ever. Present. Past. Geschichte als Inspiration“ in der Neuen Galerie Kassel resümierte Geschäftsführerin Eva Claudia Scholtz die Vergabe von bisher 222 Künstlerstipendien der Hessischen Kulturstiftung in 30 Jahren. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

08.07.2023 (yb) Mit der Sonderpräsentation „Ever. Present. Past. – Geschichte als Inspiration“ zeigt die Hessische Kulturstiftung vom 7.Juli bis 24. September 2023 in der Neuen Galerie und Schloss Wilhelmshöhe in Kassel Arbeiten von acht ihrer ehemaligen Stipendiaten. Gemeinsam begehen und inszenieren Hessen Kassel Heritage und die Hessische Kulturstiftung das 30-jährige Jubiläum der Reise- und Atelierstipendien der Stiftung. Mit diesen Förderprogrammen haben bislang 222 bildende Künstler/innen von Hessen aus auf internationale Kunst- und Studienreisen gehen können.

Benachbart zu „Komposition vor Blau und Gelb“ von Fritz Winter aus 1955 in der Neuen Galerie findet sich von Viola Bittl „Ohne Titel V“ aus 2022 präsentiert. Das Gemälde wurde eigens für diese Wand geschaffen und tritt als abstraktes Werk in Dialog mit einem Meisterwerk in den Kasseler Sammlungen. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Recherchen in Sammlungen und Archiven und das Studium von Originalen als Inspirations- und Lernquelle ist seit jeher essentieller Bestandteil und ein grundlegendes Anliegen bei Künstlerreisen. Aus diesem Kontext speist sich die Ausstellung und präsentiert dies als Thema stellvertretend mit Werken von Viola Bittl, Zuzanna Czebatul, Gabi Hamm, Julian Irlinger, Marko Lehanka, Laura J. Padgett, Laura Schawelka und Jan Schmidt.

Was mit  >Ever. Present. Past< gemeint sein mag

Den Besucher/innen wird damit zugemutet und angeboten Sphären musealer Exposition zu verlassen und sich auf eine Metaperspektive einzulassen. Anknüpfung, Adaption, Übernahme, Kontrast, Dekonstruktion kanonischer Rezeptionsweisen bis hin zur radikalen Infragestellung finden sich als anspruchsvoll verwirklichtes kuratorisches Konzept angelegt. Dr. Sylvia Metz als Kuratorin und Christin Müller als Co-Kuratorin gehen unterstützt von vier Sammlungsleitern in Kassel andere Wege.  Hessen Kassel Heritage mit seinen riesigen Kunstsammlungen lässt sich von der Hessischen Kulturstiftung als Initiatorin der Austellung auf neue Wege locken.

„Pobably a Robbery“, 2021, präsentiert Zuzanna Czebatul im Wandelgang der Neuen Galerie. Nach einem 3d-Scan des Originals an der Fassade des Pavillon de L´Horloge des Louvre in Paris ist ihre Kopie einer der dort paarweise angeordneten der Karyatidenskulpturen entstanden. Audruck und Auseinandersetzung mit Fragen zu Original und Kopie, von Provenienz und Repräsentation. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

In unmittelbarer Nachbarschaft und direkter Gegenüberstellung gehängt und inszeniert zu Werken in den Kasseler Sammlungen eröffnen sich unbewöhnliche Zugänge und Wahrnehmungen zu dem künstlerisch-zeitgenössischen Umgang mit klassischen kunsthistorischen Sujets und Genres. Überlieferte Motive erfahren mit kontrastierend und korrespondierend ausgestellten Werken eine veränderte Präsentation, werden kommentiert, erweitert und je in einen ungwöhnlichen Dialog mit Spannungsverhältnis gestellt.

Marko Lehanka in der Kassler Antikensammlung: zwei leuchtend rot bemalte Schweineohren, Ohne Titel (Rote Ohren) 1996, transzendiert getrocknete Schweineohren von Kausnacks für Hunde zu Kunstwerken. Benachbart in der Vitrine Kleinplastiken aud der Römerzeit und ein Perferdefuß von einem Reiterstandbild. Während der Erläuterungen von Kuratorin Dr. Sylvia Metz begutacht Direktor Dr. Martin Eberle die provozierende Inszenierung. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Die Künstler/innen setzen sich mit sehr unterschiedlichen Fragestellungen auseinander. Einige stellen Bezüge auf konkrete malerische oder skulpturale Vorbilder aus großen Sammlungen und Archiven her. Andere stehen für übergeordnete Themen und Topoi, so die Zugänglichkeit von Museen, das Adressieren an alle Menschen oder Ringen um Deutungshoheit in Kulturinstituten. Die Infragestellung von Museum oder Kunstsammlung als Orte etablierter Hochkultur wird nicht ausgespart. Aktuelle Post- und De-Kolonialisierungsdebatten schwingen mit und Fragen zu Werk und künstlerischem Urheber und (Be-)Recht(tigung) zur Kopie mit heutigen Hi-Tec-Mitteln werden aufgeworfen.

Wie sich in der Ausstellung zeige, seien „manche Fragen und Themenkomplexe über die Jahrhunderte unverändert, nahezu zeitlos geblieben“ findet sich im Begleitheft der Ausstellung „Ever.Present.Past.“ mitgeteilt. Dazu gehöre „die Auseinandersetzung mit der menschlichen Vergänglichkeit sowie der Materialien der Kunstwerke.“

„Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ von Jan Schmidt mit Bezug zu Vermeers berühmten Gemälde wird als – zunächst nur – weiße Leinwand neben dem Gemälde Jan von Biljerts „Eine alte Kupplerin bietet einer jungen jungen Frau Juwelen an“, um 1635, gezeigt. Wer ganz nah herantritt, kann die eingeritzten Linien der Risse aus dem Originalgemälde von Vermeer erkennen, die Jan Schmidt nach Fotografien übertragen hat. Craquelé als Spuren von Alterung und Verfall wurden mittels Beamerprojektion liniengetreu Bildmotiv. Sie veranschaulichen Zeitlichkeit bis hin zur Vergänglichkeit. Sternbald-Foto Hartwig Bambey

Andere Aspekte sind längt für zeitgenössische Künstler und Künstlerinnen ganz neu hinzugekommen. Zugleich erweisen sie sich für Besucher/innen und die Institutionen selbst mit zunehmender Bedeutung als Anliegen der Zeit:

  • Welche Relevanz besitzt ein Museumsbesuch vor Ort heutzutage eigentlich noch?
  • Ist Museumsbesuch in Zeiten online verfügbarer Museumsrundgänge, künstlicher Intelligenz und Digitalisierung von Archivmaterialien überhaupt noch nötig?
  • Welche Bedeutung hat ein Original im Gegensatz zu einer (digitalen) Kopie oder Reproduktion?

Die dialogische Präsentation der sorgfältig ausgestellten Werke lädt zu einem offenen, neugierigen Rundgang ein. Zunächst einmal können acht Künstlerinnen und Künstler auf ihren genuinen Reisen durch Zeit und Sammlungen begleitet werden. Ob sich für den Betrachter „neue Antworten auf … unseren Umgang mit Kulturgütern relevanten Fragen“ erschließen, wie im avancierten kuratorischen Konzept dieser Sonderausstellung in den beiden prominenten Kunsthäusern in Kassel angelegt ist, wird sich erweisen können. Eine breite Wahrnehmung ist zu wünschen – ab nach Kassel.

Eine Werkansicht aus der Nähe von Jan Schmidts Adaption „Das Mädchen mit den Perlenorring zeigt die Ritzungen exakt nach Vermeers Gemälde.  ->Fotos per Mausklick in Großdarstellung

 

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