Marburger Elegien von Welfare zu Workfare – wie weiter und was danach?
05.02.2026 (mm/red) Die Universitätsstadt Marburg und Marburg als Pharmastandort erlebt und erleidet gerade eine heftige Krise. Den Haushalt für 2026 konnte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, der zugleich Kämmerer und damit für den Haushalt zuständig ist, nur mühsam ausgleichen. Dank Ausgleichszahlungen des Landes Hessen ist dies verbunden mit Einsparungen und Kürzungen bei anstehenden investiven Maßnahmen zunächst in haushalterischer Darstellung scheinbar gelungen. Verdeckt darin freilich bleibt ein so bezeichnetes „strukturelles Haushaltsdefizit“ von über 40 Millionen Euro. Anders formuliert fehlen in Marburg der Stadt mehr als 40 Millionen Euro auf der Einnahmenseite strukturell, also längerfristig. Wenn nicht gar weitere Einbußen bereits vor der Tür lauern.
Steigende Pegelstände der Lahn und Ebbe im städtischen Haushalt
Geändert, sprich angehoben, wurde der Hebesatz für die Gewerbesteuer nachdem über Jahre mit einem sehr niedrigen Tarif – wie in diesen Tagen mit Bestürzung realisiert werden musste – vermeintliche Standortförderung zur Industrieansiedlung seitens der Stadt vergeblich betrieben wurde. Kämmerer Spies musste sich vorhalten lassen, dass auf einen dreistelligen Millionenbetrag möglicher Gewerbesteuereinnahmen verzichtet wurde, freiwillig und zum Nachteil der Stadtfinanzen.

Bei der Philipps-Universität sieht es zwar anders, jedoch keinesfalls besser aus. Dieser fehlen ebenfalls Millionenbeträge infolge des Hessischen Hchschulpaktes, der Einsparungen unabdingbar machte. Benannt wurden rund 100 Stellen, die entfallen, sprich weggekürzt werden sollen. Das ist bereits keineswegs ein Pappenstiel, beim Personalrat der Uni schrillten die Alarmglocken.
Weit gefehlt, wer zum Jahresanfang 2026 meinte denken zu können mit öffentlicher Haushaltsdisziplin könne es in Marburg gelingen zu konsolodisieren. Vom Himmel fiel nicht alleine erneut sehr viel Schnee. Von CSL Behring kam in der ersten Februarwoche eine eiskalte Dusche mit der Mitteilung zu bevorstehendem Stellenabbau für 500 Mitarbeiter in der – prosperierenden und gewinnträchtigen – Produktion der Marburger Niederlassung mit bisher rund 4.000 Arbeitsplätzen.
Die Oberhessische Presse (OP) titelte am 5. Februar online irreführend und fehldeutend: „Marburger Pharmaindustrie in der Krise“. Zutreffend müsste formuliert werden „Massenentlassung trotz sehr hoher Gewinne“. Eine Krise bricht lediglich für entlassene Mitarbeiter und deren Familien aus, keinesfalls ist der Konzern mit seiner Marburger Dependence in einer Umsatz- oder Gewinnkrise.
Die Gewerkschaft schätzt im Unterschied zur OP die Personalpolitik von CSL Behring in Marburg realistischer ein. Es geht um maßloses Profitstreben, oder wie die Linke formulierte „Entlassungen trotz Superprofiten“.
Wer den Blick vom Pharma-Quartier Görzhausen wieder in das Lahntal wendet und zur Kreisverwaltung Marburg-Biedenkopf schaut, kann keinesfalls in Gelassenheit den Landkreis und das Hinterland betrachten. Mit einem Kraftakt hat der Landkreis gerade erst die Schließung der Hinterland-Klink in Biedenkopf per Übernahme abgewendet, nachdem diese als DRK-Krankenhaus Verluste in Millionenhöhe angehäuft hatte.
Aus dem Nordkreis mit Stadtallendorf als industriellem Schwerpunkt kommen keine schlechten Nachrichten. Von dem dortigen Bundeswehrstandort wird „Aufwachsen“ gemeldet. Ob davon perspektivisch stabilisierende Wirkungen ausgehen, ist eine andere Frage und lenkt den Blick nach Berlin und Brüssel, von wo ganz andere Katastrophenmeldungen eintreffen und sich Bundesregierung und EU-Führungsriege zunehmend und krass überfordert zeigen.
Von „Welfare“ zu „Workfare“ ist bestimmt keine gute Idee. Nach dem Verlust von Hundertausenden Industriearbeitsplätzen in Deutschland werden krasse Kürzungen im Sozial- und Gesundsbereich vorbereitet. Kommt jetzt noch „Warfare“, wie der Titel eines Kriegsfilms lautet?
„Ertönt der Hahn morgens um acht, bin ich um den Schlaf gebracht“, wird einer wachsenden Zahl von Beschäftigten, die längst vierstellig geworden ist, in den Kopf kommen. Die vom Turm über dem Marktplatz herabtönenden Schreie des Rathaushahnes haben nichts fröhlich ermunterndes mehr. Eher schon ein Krächzen.
Wer seine Wahrnehmung vom Pharma-Revier Görzhausen wieder in das Lahntal wendet und zur Kreisverwaltung Marburg-Biedenkopf richtet, wird schwerlich Beruhigung finden. Mit einem Kraftakt hat der Landkreis zum Jahesende eine Schließung der Hinterland-Klinik als DRK-Krankenhaus per Übernahme abgewendet. Auch dort ging es um Millionen, Verluste.
Anders mag es in Stadtallendorf als Industriestandort im Nordkreis aussehen. Von „Zuwachs“ und „Aufwuchs“ wird auch über den dortigen Bundeswehrstandort berichtet. Das
Stürmische Zeiten: Hochwasser in der Lahn nach Schneemassen und Ebbe in der Kasse
Mitnichten gilt die wetterbezogene Bauernweisheit „Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich´s Wetter, oder bleibt wie es ist.“
Welfare, Workfare, _ Was kommt danach ?Warfare
Workfare ist ein in den 1990er Jahren in den USA entstandenes arbeitsmarktpolitisches Konzept, das staatliche Transferleistungen mit einer Verpflichtung zur Arbeitsaufnahme verknüpft. Die englische Bezeichnung workfare ist in Anlehnung an Work + Social Welfare = Workfare, also „Arbeit und Sozialhilfe“, letzteres in den USA auch als Wohlfahrt bezeichnet, entstanden.
Als Wohlfahrtsstaat wird in der Politikwissenschaft ein Staat bezeichnet, der als ein wesentliches Staatsziel die Wohlfahrt, also alle Maßnahmen zur Steigerung des sozialen, materiellen und kulturellen Wohlergehens seiner Bürger, besitzt…. m deutschen Sprachraum werden die Begriffe Wohlfahrtsstaat und Sozialstaat teilweise synonym verwendet.
Warfare (engl. für „Kriegsführung“)


