Paul Heidelbachs Liebesbotschaften auf kunstvollen Ansichtskarten – Nun lenzt es wieder droben auf den Bergen
13.02.2025 (red) Der Kasseler Schriftsteller, Historiker und spätere Archivar Paul Heidelbach (1870 – 1954) hatte eine ausgeprägte Leidenschaft für Zeichnungen und grafische Darstellungen. So sind zahlreiche Karikaturen zeigenössischer Persönlichkeiten aus seiner Hand überliefert. Es verwundert daher nicht, dass er in der sich anbahnenden Beziehung zu Aenne Leonhardt, seiner späteren Ehefrau, seine Zeichenkünste einsetzte um der umworbenen und geliebten jungen Frau seine Zuneigung und seine Liebe auszudrücken.
Aus dem Jahr 1899 sind rund 100 Postkarten, darunter zahlreiche Exemplare mit kunstvoll gezeichneten und gemalten Motiven auf der Rückseite, in seinem Nachlass erhalten. Diese Postkarten sind wertvolle Originale mit Botschaften für Treffen, Verabredungen und Erlebnisse. Es mag seinerzeit Telefon hier und dort gegeben haben, von Radio und Fernsehen war man in Cassel, wie der Name der Stadt damals noch weithin geschrieben wurde, ebenso wie in Deutschland noch Jahrzehnte entfernt.

„STECKBRIEF gegen die nebenan abgebildete Person, die mir mein Herz gestohlen hat. Kenntlich an kleinen roten Bällchen und Vatermorder. Bitte sie mir Sonnabend !/2 10 Hohenzollernstraße tot oder lebendig gegen hohe Belohnung abzuliefern P. Kennzeichen isst gerne Schweinebraten“
So kam der Postzustellung für Briefe und für Postkarten, die in Tausenden Motiven überliefert sind, die zentrale Aufgabe der Herstellung von Verbindung und Übermittlung von Nachrichten und Botschaften zu. Die Kunstpostkarten von Paul Heidelbach sind dabei herausragende Unikate und Dokumente einer lang entschwundenen Epoche.
Nicht anders als in unserer Zeit spielt das Kennenlernen von weiblichen oder männlichen (Beziehungs-) Partnern bei jungen Menschen ein wichtige Rolle. Paul Heidelbach war diesbezüglich aktiv und ausdrucksstark. So wie die Menschen heute war er an die Konventionen und technischen Möglichkeiten seiner Zeit gebunden. Liebesbriefe waren seit Jahrhunderten ein probates Mittel. Paul Heidelbach bevorzugte die Postkarte, deren unbedruckte Rückseite ihm viel Raum ließ seine Zuneigung in Zeichnungen von Pflanzen, Szenerien und Menschen zu verbildlichen.

Der erste Kuss Je länger Je lieber Liebe Maus, Ich kann leider heute Abend doch nicht. Kuss P.
Dabei gab es allerdings ein Problem. Lesbare Schrift und vertrauliche, intime Botschaften würden Außenstehenden, zuvorderst der Briefträger und Postbote, zu Kenntnis kommen – ein Unding, was daher unbedingt verhindert werden musste. Der temperamentvolle und zugleich pfiffige Paul Heidelbach, er hatte in Marburg und Berlin studiert und in Kassel begonnen als freier Schriftsteller und Journalist zu veröffentlichen, war um eine Lösung dieses Problemes nicht verlegen.

Nun lenzt es wieder droben auf den Bergen Ja, Ja – ´s wird Frühling! Gruß P. „Freitag morgen 9 Uhr bei deinem Haus!!!“
Er verwendete eine Geheimschrift, die verhinderte, dass Außenstehende den Inhalte seine Liebeskarten lesen konnten. Der Schlüssel oder Code dafür einfach. Er schrieb seine Worte in Buchstaben um je einen im Alphabet versetzt. Das ergab unsinnige Buchstabenfolgen – für Außenstehende.
Aenne Leonhardt, Tochter des bekannten Kasseler Photographen Georg Friedrich Leonhardt (1850 –1929), hat sich nicht schwergetan die zahlreiche Karten zu decodieren und zu lesen. In mancher Woche hat sie mehrere Karten von Paul Heidelbach erhalten, sei es um mitunter die Mitteilung zu bekommen, dass „heute Abend mir es leider nicht möglich ist zu kommen.“
Es wurden auf diese klandestine Weise Treffpunkte mit Uhrzeit verabredet und öfters kommt der Hinweis „den Schlüssel nicht zu vergessen“.
Der Sternbald Verlag bereitet eine Buchedition mit diesen wertvollen Kunstpostkarten vor. Dazu hat Zita Reder die Karten bearbeitet und die verschlüsselten Texte transkribiert. Von Paul Heidelbach ist im Sternbald Verlag ein Paul Heidelbach Lesebuch erschienen und lieferbar. 96 Seiten mit Illustrationen, Ladenpreis 12, Euro ISBN 978-3-924296-60-5.


