Startschuss für Interimsspielstätte des Staatstheaters Kassel

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Museen in Marburg im Aufbruch ? – Vor allem Baustellen und offene Fragen

Illu Positionen140409 (yb) Wer im Marburg dieser Tage unterwegs ist, erlebt in weiten Bereichen Großbaustellen. Am Pilgrimstein erstreckt sich das große kommende Baufeld für die neue Universitätsbibliothek und ein Stück weiter ist für den Neubau Deutscher Sprachatlas die Baustelle eingerichtet. Auf der anderen Seite des Alten Botanischen Gartens in der Biegenstraße sind Kräne, Bauzäune und Gerüste ebenfalls nicht zu übersehen. Direkt nebeneinander gelegen, findet sich das Ernst von Hülsen-Haus von haushohen Baugerüsten verkleidet und das Erwin-Piscator-Haus, die Stadthalle, findet sich hinter langen Bauzäunen zurückgebaut und von tiefen Baugruben umgeben. Mehr als 150 Millionen Euro werden investiert, um in einigen Jahren neue und sanierte Gebäude in Betrieb nehmen zu können. Für den Kulturbetrieb in der Stadt hat dies aktuell gravierend einschneidende Konsequenzen. Denn Kulturveranstaltungen und Museum haben mehrjährige baubedingte Zwangspausen. Keine ganz einfache Ausgangslage für Kulturverantwortliche und Museumsleute in der Stadt. Diese hatten gleichwohl zu einer Pressekonferenz eingeladen um zu verkünden, dass das Jahr 2014 in Marburg unter dem Motto ‚Museen im Aufbruch‘ stehe. Worin der Aufbruch – abgesehen von Baumaßnahmen – bestehen soll, wurde dabei nur andeutungsweise mitgeteilt. Irgendwie möchte man trotzdem einladen zum Internationalen Museumstag am 18. Mai. Geladen wird dazu in das Landgrafenschloss zu „Musik, Tänzen und Kulinarischem aus aller Welt; verschiedene Aktionen in Zusammenarbeit mit dem Fachdienst Kultur Marburg.“ Ein solches Angebot kann nur enttäuschen, ist arg konventionelle Kost und hat mit Aufbruch höchst wenig zu tun.

Im Ernst von Hülsen-Haus, dem Domizil des derzeit in Sanierung der Außenhülle befindlichen ‚Kunst Museum Marburg‘, saßen dessen Direktor Christoph Otterbeck, Univizepräsident Joachim Schachtner, Stadträtin Kerstin Weinbach, Kulturfachdienstleiter Richard Laufner in einer Reihe um zu verkünden, was sie mit „Museen im Aufbruch“ meinen. Zur Verstärkung war noch Claus Meiritz für die zukünftigen Archäologiepräsentation ‚Zeiteninsel‘ in Weimar-Argenstein mit an den Tisch gebeten. Zusammenarbeit war ein Stichwort, das öfters fiel und derer man sich gegenseitig verbal versicherte. So Stadträtin Weinbach, die eine gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und Universität reklamierte, wozu deren Vizepräsident seine Zustimmung gab. Zudem will Marburg den Aufbau der ‚Zeiteninsel‘ unterstützen, es sei gar „eine Marburger Museumslandschaft“ im Entstehen, so jedenfalls tönende Worte von Fachdienstleiter Laufner. Während der rund 45minütigen Vorstellung wurde viel geredet und erstaunlich wenig Substantielles mitgeteilt. Dessen waren sich die Protagonisten dieser Presseveranstaltung sichtlich bewußt. Sie wirkten allesamt farblos, mitunter ratlos und keinesfalls überzeugend.

Baustelle ist offenbar nicht nur der Zustand an vielen Orten zu Füßen der Oberstadt. So ließe sich auch der Stand der Dinge, des Denkens, Planungen und Ausgangslagen für die dort versammelten und repräsentierten Museen bezeichnen. So zeigte sich, dass neben einigen Veranstaltungen im Lauf des Jahres, darunter das Uni-Sommerfest am Schloss, nichts sonderliches geboten werden kann. Wie und wo denn auch? Für das Marburger Schloss wurde 2013 eine Potentialstudie erarbeitet und vorgelegt. Die Stadt Marburg möchte damit die Schaffung eines Stadtmuseums verbinden. Doch abhängig ist das vom Land Hessen, wo der Rotstift schon bei zugesagten Mitteln für den Hochschulbau umgeht. Konkretes gibt es wenig zu bieten im Marburger Schloss. Im Mai kommt eine Kabinettausstellung „Es war einmal…“, die illustrierte Märchenbücher seit Ubbelohde präsentieren will. Noch einmal Grimm, dazu nahezu als Wiederaufguß einer Ausstellung, die es im Haus der Romantik zu sehen gab. Ab Juli soll es dann dort oben eine neue Präsentation der Keramikabteilung  geben.

Mangels Konkretem konnte es nicht verwundern, dass die vielbeklagte „schlechte Verkehrsanbindung“ zum Schloss auch bei diesem Termin thematisiert wurde. Die bislang wenig genutzte Busanbindung soll aufgehübscht werden, indem zwei der Busfahrzeuge der Stadtwerke mit Grimmotiven gestaltet werden. Und zwei Bänke sollen entlang des Fußweges auf der Schrägachse der Landgraf-Philipp-Straße aufgestellt werden, teilte Richard Laufner mit.

Für die ‚Zeiteninsel‘ berichtete Claus Meiritz, dass dort in diesem Jahr noch kein Baubeginn bevorstehen würde. Es liegt zwar längst die Förderzusage des Landes Hessen über rund 5 Millionen Euro für die geplanten Gebäudeeinheiten vor. Doch mangelt es derzeit an den rund 500.000 Euro kommunalen Komplementärmitteln. Auch die Finanzierung der laufenden Kosten, für die das Land Hessen nicht zur Verfügung steht, ist derzeit nicht geregelt und gesichert. Die Gemeinde Weimar sieht sich alleine weit überfordert. Der Landkreis und die Stadt Marburg müssen mit maßgeblichen Beträgen mit ins Boot. Und all dies muss in rechtsverbindlicher Art und Weise beschlossen und geregelt sein, damit die Landesmittel gemäß Haushaltsordung des Landes Hessen zur Auszahlung kommen können.

Bereitschaft zur finanziellen Förderung seitens der Stadt Marburg bekundete Fachdienstleister Laufner. Doch der Landkreis und auch die Gemeinde Weimar sind noch nicht vereinbart. Meiritz kündigte für die ‚Zeiteninsel‘ eine Beteiligung am Museumstag im Mai an, bei dem eine große Zahl von menschlichen Akteuren lebendige Schlaglichter auf das Leben vor mehreren Tausend Jahren verkörpern werden. Ansonsten wird es auf dem Gelände bei Argenstein in diesem Jahr nur kleine Bau- und Pflegemaßnahmen in Eigenleistung geben.

Zum Thema Finanzen war aus dem Mund von Christoph Otterbeck zu vernehmen, dass bezüglich der Akquise von Spendenmitteln von privat, die für die Innengestaltung des ‚Kunst Museum Marburg‘ in der Größenordnung von mehr als einer Million Euro benötigt werden, man noch lange nicht am Ziel sei. Also auch diesbezüglich von Aufbruch keine Spur. Am 18. Oktober soll es ein Benefizkonzert zur Sanierung des Kunstmuseums geben.

Von Aufbruch keine Spur

So werden in diesem Jahr und darüber hinaus Großbaustellen in Marburg prägend bleiben. Was die versammelten Kulturverantwortlichen und Museumsleute in Marburg veranlasst hat als Motto “Museen im Aufbruch“ für 2014 zu verkünden, ist bei der Pressekonferenz nicht plausibel geworden. „Es geht darum Aufmerksamkeit zu bekommen“, meinte Richard Laufner. Man müsse „aus dem Aufmerksamkeitsschatten herauskommen“, war von ihm zu vernehmen. Was das heißen soll, erläuterte er nicht. Das von ihm vorgestellte Programm für 2014 ist von Aufbruch sehr weit entfernt.

Zweifelsohne können Macher sich an die Öffentlichkeit wenden, auch zu dem Zweck mehr Aufmerksamkeit zu erfahren. Doch ein gewisses Maß an Professionalität und Durchdringung sollte dabei an den Tag gelegt werden. Ansonsten werden die Marburger Avancen um Weltkulturerbestatus, Schlossentwicklung oder Bundesgartenschau allenfalls desavouiert.

So bleibt es abzuwarten was der geprisenen Zusammenarbeit der Akteure von Stadt, Universität und Zeiteninsel entspringen kann. Ob sich per Kooperation für jeden Einzelnen und alle Beteiligten besser Geldmittel besorgen  lassen, fehlende Finanzen in einem Bündnis leichter zu erschließen sein werden, muss sich zeigen. Der gemeinsame Auftritt Richtung Öffentlichkeit am 8. April konnte nicht überzeugen. Stattdessen sind gleich mehrere Defizite – wenn auch wohl ungewollt – sichtbar geworden. Baustellen alleine sind eben noch kein Beleg für die Qualität zukünftiger (musealer) Angebote in Marburg – schon gar nicht, wenn mit dem Bauen begonnen wurde ohne die Finanzierung als Ganzes gesichert zu haben.

 

 

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