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Ertüchtigung der Außenstadtteile in Marburg im Programm Dorfentwicklung

Mit finanzieller Förderung durch das Dorfentwicklungsprogramm sanierten Edmund Voges und Inken Schmidt-Voges Fassaden ihres Fachwerkhauses in Michelbach. Foto nn

07.02.2023 (pm/red) Mehrgenerationenplätze, sanierte Bürgerhäuser und Carsharing sind Projekte, die durch das Dorfentwicklungsprogramm des Landes Hessen angestoßen wurden. Seit 2014 ist die Stadt Marburg mit  15 Außenstadteilen Teil des Programms. Ein Blick zurück vergegenwärtigt, was bisher erreicht wurde und was in 2023 ansteht. Bis Ende dieses Jahres können Marburger noch Anträge auf Förderung stellen.

 „Mit den Förderungen aus dem Dorfentwicklungsprogramm haben wir in den Marburger Außenstadtteilen einige Projekte auf den Weg gebracht – ob Mehrgenerationenplätze, Umbauten, Sanierungen oder das Carsharing-Projekt für eine verbesserte und nachhaltige Mobilität“, sagt Stadtrat Dr. Michael Kopatz. „Mein besonderer Dank gilt dabei vor allem den Bürger/innen, ohne deren herausragendes Engagement das alles nicht möglich wäre.“

Stadtteilübergreifende Projekte, Veranstaltungen und Vernetzung

Die Stadt Marburg ist mit ihren 15 Außenstadtteilen 2014 in das Dorfentwicklungsprogramm des Landes Hessen aufgenommen worden und startete ein Pilotprojekt zur Dorfentwicklung in Hessen. Hintergrund für das Programm sind die steigenden Anforderungen, die sich vor allem aus dem demografischen und sozioökonomischen Wandel ergeben. Deshalb sollen in den ländlich geprägten Stadtteilen zentrale Funktionen gestärkt und gute Wohn- und Lebensqualität erhalten und verbessert werden.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Bürgermeisterin Nadine Bernshausen haben zusammen mit Initiatoren und Sponsoren das E-Carsharing-Angebot in Ginseldorf gestartet. Foto Patricia Grähling

Dorfentwicklung in Marburg: Wie alles begann

Begonnen hat die Dorfentwicklung in Marburg mit öffentlichen Ortsrundgängen in allen Außenstadtteilen. Ideen und Wünsche wurden gesammelt, Stärken und Schwächen analysiert – so entstand mit Hilfe von mehr als 300 Bürgern das Integrierte Kommunale Entwicklungskonzept (IKEK), das die Stadtverordnetenversammlung im November 2016 beschlossen hat. „Marburg, das sind wir alle“ dient dabei als Leitbegriff.

Die Themen reichen von Konzepten gegen zunehmenden Leerstand in den Dorfkernen über die Vernetzung von Vereinen und Kulturangeboten, Verbesserung der Aufenthaltsqualität von zentralen Grünflächen bis zu der Förderung der Fahrradmobilität zwischen den Dörfern und in die Kernstadt. Entstanden sind dann mehrere AGs aus engagierten Bürgerinnen, die sich bestimmten Themenschwerpunkten in der Dorfentwicklung widmen.

Dorfentwicklung stößt Sanierung der Bürgerhäuser an

Ein Schwerpunkt im IKEK ist die Sanierung von Bürgerhäusern (BGH). In Bortshausen wurde diese bereits abgeschlossen. Der Umbau kostete rund 200.000 Euro – davon kamen 60.000 Euro aus dem Dorfentwicklungsprogramm. Für die BGH in Dilschhausen, Hermershausen und Haddamshausen sollen noch Förderanträge gestellt werden. Für Dilschhausen sind 800.000 Euro eingeplant, für Haddamshausen rechnet die Stadt zunächst mit 30.000 Euro für eine Vorplanung und für Hermershausen mit einer Million Euro.

Der „Treffpunkt Komp“ wird von den Mitgliedern des gleichnamigen Vereins ehrenamtlich betrieben und soll einen Ort bieten, an dem Jung und Alt für verschiedene Veranstaltungen zusammenkommen. Foto Stefanie Ingwersen

Angestoßen durch die Dorfentwicklung hatte die Stadt Marburg 2020 zudem beschlossen, auch die anderen Bürgerhäuser im Rahmen eines „Entwicklungskonzepts für die Bürgerhäuser in den Außenstadtteilen“ zu sanieren – denn die Bürgerhäuser dienen als Herz der Stadtteile, sind Treffpunkt, Versammlungsort, Raum für Vereinsleben und Dorfleben. Die Planungen für das jeweilige Bürgerhaus wurden in der Reihe „Mein Dorf in Marburg“ näher vorgestellt.

Vielfältig und für alle: Das „Digitale Bürgerhaus“

Seit Februar 2021 ist das „Digitale Bürgerhaus“ geöffnet. Hier treffen sich Vereine, Initiativen und Gruppierungen in den äußeren Stadtteilen Marburgs online. Genutzt wird es für Konferenzen, Vereinstreffen oder Ortsbeiratssitzungen, Info-Veranstaltungen, Vorstandssitzungen oder sportliche Veranstaltungen, wie beispielsweise Yoga. Das „Digitale Bürgerhaus“ wird vor allem von der AG Ehrenamt und Hubert Detriche, dem Ortsvorsteher von Hermershausen, verwaltet und gepflegt. Online-Lotsen unterstützen dabei, eine Video-Konferenz zu starten und zu realisieren, erklären den Umgang mit Tablet und Smartphone und sind auch für Themen rund um Datenschutz zuständig. Koordinator*innen vergeben Termine, übernehmen Schulungen und unterstützen bei der Umsetzung von digitalen Treffen.

Zusammenkommen der Dorfgemeinschaft – Mehrgenerationenplätze, Treffpunkte und Freiflächen

Ein Ziel des Dorfentwicklungsprogramms ist es, die Ortskerne zu beleben und die Dorfgemeinschaft zusammenzubringen. Beim Anlegen von Mehrgenerationenplätzen hat die Dorfgemeinschaft nun nicht nur neue Treffpunkte erhalten – sondern ist bei der Gestaltung und Umsetzung wirklich zusammengerückt.

In Gisselberg liegen seit 2019 direkt gegenüber vom Bürgerhaus ein Bolzplatz, ein kleiner Spielplatz und ein Mehrgenerationenplatz (MGP) mit Fitnessgeräten, Pavillon und einer Boule-Bahn. Dabei haben die Bürger in Eigenleistung mit angepackt und eine Gruppe die Patenschaft für den Platz übernommen. Rund 26.000 Euro kamen aus dem Landesprogramm, 11.000 Euro aus dem städtischen Haushalt.

Ebenfalls mit Eigenleistung und einer Patenschaft wurde 2020 in Wehrshausen ein Bouleplatz mit Pavillon und Sitzbänken umgesetzt. Dagobertshausen bekam 2021 den MPG Salzköppel. Auf rund 700 Quadratmetern finden sich dort ein Spielplatz, ein Bouleplatz und Sitzmöglichkeiten – mitgebaut haben Eltern, Einwohnern und jugendliche Migranten einer benachbarten Wohngruppe.

Auch durch die Dorfentwicklung ermöglicht: Die Umgestaltung der Freifläche am Ehrenmal und der Kirche in Dilschhausen, die zum Verweilen einlädt, sowie der „Treffpunkt Komp“ in Moischt, der unter anderem als Dorfcafé, Pausenstation für Radfahrer und Veranstaltungsort für Vereine und private Feiern genutzt wird.

Die Arbeiten an einem Mehrgenerationenplatz in Cyriaxweimar sind seit Anfang November 2022 im Gange. Hier werden eine Terrassenfläche und ein Beachvolleyballfeld mit Fitnessbereich (Calisthenic und Bewegungsgeräte) und Aufenthaltsmöglichkeiten angelegt. Das wird insgesamt rund 340.000 Euro kosten.

Carsharing in den Außenstadtteilen

Mobilität und Mobilitätswende sind wichtige Themen. Damit auch die Außenstadtteile untereinander und zur Kernstadt besser angeschlossen sind, starteten die Stadtteile Ginseldorf, Moischt und Elnhausen mit Dagobertshausen in eine dreijährige Pilotphase für ein Bürger*innen-Carsharing. Für das Projekt gibt es eine Förderzusage des Landes Hessen über das Dorfentwicklungsprogramm in Höhe von 20.000 Euro. Die Stadt Marburg beteiligt sich mit mindestens 15.000 Euro.

In Ginseldorf stehen den Bürgern über den Dorfladenverein zwei E-Autos zur Verfügung, die sie flexibel für Versorgungs- und Freizeitfahrten ausleihen können – über weitere Förderprogramme auch ein Lastenrad und zwei Transporträder. Im Stadtteil Moischt hat sich der Verein „Moischt mobil“ gegründet, der die Mobilität fördern will. In Elnhausen/Dagobertshausen ist ebenfalls ein Verein gegründet worden, der möglichst auch die westlichen Stadtteile einbinden will.

Förderung privater Baumaßnahmen gegen Leerstand und für mehr Wohnraum

Im Rahmen des Dorfentwicklungsprogramms werden auch private Projekte gefördert: So hat zum Beispiel Uwe Rauch, Ortsvorsteher von Ronhausen, mit Hilfe der IKEK-Förderung eine Scheune in ein modernes Wohnhaus umgebaut. Foto Stefanie Ingwersen

Im Rahmen des Dorfentwicklungsprogramms werden auch private Projekte gefördert – etwa Scheunenumbau zu Wohnzwecken, Fassadensanierung, Fachwerksanierung, Dacheindeckung, energetische Sanierung, städtebaulich verträglicher Abbruch und Ersatzneubauten sowie Planungsleistungen. Von 2015 bis 2022 wurden 72 private Vorhaben bewilligt – überwiegend Sanierungen, aber auch zwei neue Wohngebäude sowie Anbauten und Umbauten zur Schaffung von Wohnraum.

So hat beispielsweise Uwe Rauch, Ortsvorsteher von Ronhausen, eine Scheune in ein Wohnhaus oder Sascha Wetzstein aus Ginseldorf ein leerstehendes Bauernhaus in ein Zweiparteienhaus umgebaut.

Bei einem Investitionsvolumen von mehr als 7 Millionen Euro wurden die privaten Baumaßnahmen mit insgesamt 1,7 Millionen Euro aus Mitteln der Dorfentwicklung gefördert. Noch bis Ende 2023 können alle, die ein Grundstück, ein Gebäude oder eine Hofanlage im Ortskern eines Außenstadtteils von Marburg haben, Zuschüsse für Sanierungen, Um- oder Neubauten beantragen. Aufgrund knapper Mittel wird jedoch eine frühzeitige Antragstellung bis zum 15. März empfohlen.

Dorfkerne beleben, Stadtteile vernetzen, Vereinskultur stärken

Der Mehrgenerationenplatz Salzköppel in Dagobertshausen bietet auf rund 700 Quadratmetern einen Spielplatz, einen Bouleplatz und Sitzmöglichkeiten – mitgebaut haben Eltern, Einwohner*innen und jugendliche Migrant*innen einer benachbarten Wohngruppe. Foto Freya Altmüller

Das Dorfentwicklungsprogramm fördert neben Großprojekten und Baumaßnahmen auch Veranstaltungen und Workshops, die die Dorfgemeinschaften zusammenbringen, informieren und so die Dörfer beleben. So gibt es seit 2019 jährlich den „Tag der Mobilität“, 2017/2018 gab es die Veranstaltungsreihe „Mitmachen im Dorf“ sowie die Veranstaltung „Vereine fit für die Zukunft“ und es fanden mehrere Praxisworkshops statt – etwa um Fachwissen rund um Lehm, Kalkputz oder Natursteinmauern zu vermitteln.

Auch in diesem Jahr sind weitere Veranstaltungen der AG Ehrenamt geplant. Das Carsharing-Pilotprojekt wird weiter ausgebaut und die Wissensvermittlung über die Kümmerer sowie Workshops und Exkursionen fortgesetzt. Außerdem soll die Freifläche am Ehrenmal in Elnhausen umgestaltet werden. So läuft zwar mit dem Ende 2023 der Förderzeitraum aus – die Aktivitäten sind aber noch in vollem Gange und werden auch über die Förderung hinaus die Dorfgemeinschaft und die Außenstadtteile deutlich prägen.

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