Umgestürzte Silberweide als neues Wahrzeichen im Alten Botanischen Garten Marburg?

Marburg 11./13.8.2017 (red) Vor einigen Tagen war in der OrtsPresse zu lesen und zuvor erreichte die Redaktion des Marburger. Online-Magazins eine Pressemitteilung  der technischen Leiterin Außenanlagen der Philipps-Universität Marburg, Alter Botanischer Garten, dass die kürzlich …

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LEBENSLAUTE – Protest mit Klassischer Musik

Marburg 20.4.2017  Gastbeitrag von Ursula Wöll  Vom Cello über den Contrabass ist alles dabei, was an Instrumenten zu einem Symphonie-Orchester gehört. Auch das Outfit der MusikerInnen stimmt: Weißes Hemd oder weiße Bluse, schwarze Hose oder schwarzer Rock und schwarzes Jacket trotz der Hitze. Nur den Schlips haben sich die Männer erspart. Und noch etwas ist ungewöhnlich an dieser Musik en plein air, es dirigiert eine Frau. Zum Einspielen erklingt der Walzer von Schostakowitsch. Die auf der grünen Wiese zahlreich versammelten DemonstrantInnen wagen ein Tänzchen, bevor alle hundert Meter weiter vor das Tor des Fliegerhorstes Büchel ziehen.

In ihm lagern die amerikanischen Atomsprengköpfe, die im „Ernstfall“ von den dort stationierten deutschen Tornados abgeworfen werden. Und die sollen da weg. Dafür spielt und singt die LEBENSLAUTE Beethoven, Brahms und Bach mitten in der schönen Eifel. Dort habe ich das außergewöhnliche Orchester samt Chor im Jahr 2013 erlebt, das bald etwas derangiert aussah und ohne Jackets unter der prallen Sonne agierte. Eine wunderbare und ganz und gar gewaltfreie friedliche Protestaktion, die ich nie vergessen werde.

Die Kritischen MusikerInnen sind das Jahr über Mitglieder irgendwelcher Symphonie-Orchester und Theaterchöre oder versierte Laien. Jährlich treffen sie sich von nah und fern, um gemeinsam mit klassischer Musik gegen gesellschaftliche Mißstände zu protestieren. Meist richtet sich der Protest gegen militärische Einrichtungen. So kamen auch schon die Angestellten der Waffenfabrik Heckler + Koch in Oberndorf am Neckar in den Genuss eines kostenlosen Konzerts. Aber auch für den Stop des Braunkohle-Tagebaus wurde schon gespielt. Denn seit vielen Jahren, genauer seit 1986, dem Jahr der legendären Mutlangen-Blockade, gibt es die LEBENSLAUTE. Die Orte ihrer Auftritte seit 1986 sind unter www.lebenslaute.net aufgelistet. Am Anfang eines jeden Jahres trifft man sich in Thüringen, um demokratisch über das Protestziel zu entscheiden.

Im Jahr 2014 erhielt die Initiative den Aachener Friedenspreis für ihr Engagement. Die Gruppe ist für neue MitspielerInnen und SängerInnen jederzeit offen, nicht alle halten das aufwendige Engagement so viele Jahre lang durch. Denn anders als bei den Posaunen von Jericho hat das Konzertieren bislang keinen handgreiflichen Erfolg, die Atomwaffen von Büchel werden jetzt sogar modernisiert anstelle abtransportiert. Wie bei jeder Kritik bedarf es auch hier eines sehr langen Atems. Für den aktuellen Sommer 2017 wurde der Fliegerhorst Schleswig-Jagel als Protestort gewählt. Dieser Bundeswehr-Standort im Norden soll ausgebaut werden, um Schulungen zu ermöglichen und Auslandseinsätze der Luftwaffe zu vereinfachen. Auch sollen dort ab 2019 Kampfdrohnen stationiert werden. Selbst wenn die Anfahrtswege lang sind, angesichts der beschleunigten Militarisierung und Aufrüstung scheint mir Schleswig-Jagel eine gute Wahl. Nicht nur ich bin in großer Sorge, dass aus den gegenwärtigen Stellvertreter-Kriegen ein weltweiter großer Krieg wird.

Leider setzt unsere Regierung den durch Trump revitalisierten Nato-Forderungen nach einer sofortigen weiteren Aufrüstung keinen Widerstand entgegen. Nur das Tempo wünschen sich Merkel und Von der Leyen moderater.  Abrüstung statt Aufrüstung wäre stattdessen angesagt, beträgt doch unser Wehretat bereits jährlich über 37 Milliarden Euro. Zum Verrücktwerden.

Um solche aberwitzigen Summen zu rechtfertigen, müssen ja Feindbilder aufgebaut werden. Verehrte Bundeskanzlerin, liebe Bundesregierung, lassen Sie Vernunft walten und verwenden Sie einen Teil dieser Milliarden, um das Elend der Welt zu mindern! Kritisieren Sie unseren Nato-Partner USA, dass er seinen schon jetzt aberwitzig hohen Wehretat nochmals um 54 Milliarden jährlich auf über 600 Milliarden jährlich erhöht!

Die musikalische Protestaktion der LEBENSLAUTE vor dem Fliegerhorst Jagel wird vom 16.- 21. August 2017 stattfinden, und zwar unter dem Motto: „Von Bass bis Sopran – Gemeinsam gegen Rüstungswahn“. Wie jedes Jahr wird man vorher zu einem Probenwochenende zusammenkommen, an dem auch neue TeilnehmerInnen willkommen geheißen werden. Dieses Wochenende findet vom 9, – 11. Juni in Kassel, Nähe Hauptbahnhof, statt (Genaueres unter www.lebenslaute.net oder Telefon 015787114306 und 01603711670)