Einsamkeit im Alter: Eine Bratwurst beim Stadtfest mitzuessen, wäre schon schön gewesen

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Merkmale einer neuen multifunktionalen Sporthalle an der Elisabethschule

Marburg 5.12.2012 (red) Marburg ist eine Sportstadt. Ob rund 15.000 Schülerinnen und Schüler, Studierende für das Lehramt Sport, Vereinssportler oder ungezählte junge, erwachsene und ältere Menschen – sportliche Betätigungen sind angesagt. Dafür und braucht es entsprechenden Raum. Neben Sportplätzen und Stadien spielen für eine ganzjährige Sportbetätigung sogenannte ‚gedeckte Sportflächen‘ (zu deutsch Sporthallen) eine große Rolle. Dass Sporthallen knapp sind, kann niemand bestreiten. Engagierte, ja heftige Diskussionen und Streit hat es für geraume Zeit in der Stadtgesellschaft um verschiedene Forderungen nach Neubau von Sporthalle(n) gegeben. Der Bau einer Vier-Felder-Halle wurde dabei von nicht wenigen Protagonisten gefordert. Diese Diskussionen sind geführt. Seitens der nun einmal als  Geldgeberin und Bauherrin maßgeblichen Stadt Marburg ist die Neubau einer Zwei-Felder-Halle definiert worden. Mit dem jetzigen Ergebnis dieser Prozesse und Überlegungen schäftigt sich der Gastbeitrag von Architekt Bernd Brust:

Der Magistrat der Stadt Marburg stellte im April diesen Jahres eine Planungsgruppe zusammen, die den Auftrag hatte, eine Machbarkeitsstudie mit Kostenprognose für ein Sport- und Bewegungszentrum an der Elisabethschule Marburg aufzustellen. Das neu als Zwei-Felder-Halle zu planende Gebäude soll die Bewegung für Kleinkinder ab 6 Monaten bis zu Senioren über 80 Jahre fördern und soll für eine Nutzung im Rahmen des Schulsports und Sporttreibende in Vereinen bis hin zum Dojo-Kampfsport ausgelegt sein.

Die hier vorgestellte Studie soll als Magistratsvorlage dienen. Eine dafür eingesetzte Planungsgruppe setzte sich zusammen mit Vertretern der Schulleitung Elisabethschule, vom Sportamt Marburg, dem Fachdienst Schule, der Schüler- und Elternvertretung, des TSV Ockershausen, von Blau-Gelb Marburg und dem Marburger Architekten Bernd Brust.

Der Magistrat hatte in der Aufgabenstellung vorgegeben, die bestehende Sporthalle auf dem Gelände der Elisabethschule nicht in die neue Planung mit einzubeziehen, da diese aus verschiedenen Gründen, insbesondere den Brandschutzanforderungen und der Feldgröße der bestehenden Halle, den heutigen Planungsanforderungen nicht mehr entspricht.

Städtebaulich sollen längerfristig die Außenbereiche der Gymnasien Elisabethschule und Philippinum zu einem ‚Schulcampus‘ zusammenwachsen. Als neuer Standort für das Sport – und Bewegungszentrum soll der bestehende ‚rote Hartplatz‘ neben dem Schulgebäude dienen.

Als wichtiger Aspekt war die Entwicklung einer Anbindung des bestehenden Schulgebäudes mit dem neuen Sportzentrum. Als Lösung erschließt eine überdachte Verbindung schulseitig das neue Gebäude und überdacht zugleich den Haupteingang der Schule.

Nutzungsviefalt als Vorgabe und Auslegung der Halle

Da eine multifunktionale Nutzung in der Auslegung gewünscht war, ergeben sich Nutzerbewegungen, die zum Teil zeitlich kollidieren. Dies macht es unumgänglich, dass verschiedene Zugänge in das Gebäude vorhanden sind. Von 8 – 17 Uhr muss die schulische Nutzung gewährleistet sein. Zudem sollen vormittags gleichzeitig die Kleinkindergruppen und Senioren sportlicher Bewegung nachgehen können. Aus diesem Grund ist ein Zugang für Kleinkinder und Senioren vorgesehen, der von dem bestehenden Fußweg zwischen der Leopold-Lucas-Straße und der Ockershäuser Allee herkommt und nicht über das Schulgelände führt.

Kleinkinder, Senioren und Schüler haben jeweils eigene, unabhängige Umkleideräume und WC-Anlagen. Während des Betriebs sind die Lauf- und Wegebeziehungen dieser verschiedenen Nutzungsgruppen so angelegt, dass sich im Gebäude nicht kreuzen, es zu keinen Störungen kommt.

Nach 17 Uhr können Sportler aus Vereinen das Gebäude nutzen. Dieses Gruppen nutzen die bestehenden Umkleide- und WC-Anlagen der Schüler. Die Vereinssportler gehen ebenfalls über einen separaten Zugang vom bestehenden Fußweg in das Gebäude und müssen nicht zwangsläufig über das Schulgelände in das Gebäude laufen.

Mit Bühne Nutzungen für Kulturveranstaltungen möglich

Alle Illustraionen von Bernd Brust © 2012. ->Für Großdarstellung auf Zeichnungen klicken.

Eine weitere Forderung war es, eine kulturelle Nutzung durch die Schule zu ermöglichen. Aus diesem Grund ist ein Multifunktionsraum mit eingebauter Bühne im Erdgeschoss geplant. Dort können, wiederum unabhängig vom Schulsport, Lesungen und andere Kulturangebote organisiert werden. Die Bühne lässt durch ihrer Lage eine Nutzung in zwei Richtungen zu. Bei kleineren Veranstaltungen ist Ausrichtung zum Multifunktionsraum möglich. Bei größeren
Veranstaltungen, wie etwa Abiturfeiern, ist die Ausrichtung zu den großen Flächen der Zwei-Felderhalle möglich.

Darüber hinaus ist eine Öffnung des Multifunktionsraum zum Vorplatz des Gebäudes geplant. Damit können Gäste, etwa bei Schulfesten, durch die bestehende Schulküche bewirtschaftet werden.

Im Obergeschoss ist der Bereich für den DOJO Kampfsport vorgesehen. Als Zugang dorthin wird, wie von den Vereinssportlern, der Fußweg genutzt. Zugleich ist ein Treppenhaus mit Aufzug geplant. Dadurch wird das gesamte Gebäude barrierefrei zugänglich.

Ebenfalls im Obergeschoss sind Tanz- und Bewegungsräume und Räume für Theaterproben mit den dazugehörigen Nebenräumen geplant. Vom Obergeschoss aus kann die Bühne für Veranstaltungen über Gitterroststege vorbereitet werden. Dadurch ist eine Bestückung der Bühne über Rollgerüste nicht notwendig.

Versetzte Nutzungen eröffnen unterschiedliche Raumhöhen

Die Höhenentwicklung der einzelnen Räume ist je nach Nutzung sehr unterschiedlich ausgelegt. Über dem niedrigen Umkleide und WC-Bereich der Schüler und Vereine im Erdgeschoss ist eine hoher Wettkampfbereich für den DOJO Kampfsport im Obergeschoss geplant.

Die Kleinkinder und Senioren bekommen einen hoch ausgelegten Bewegungsraum im Erdgeschoss. Der Multifunktionsraum im Erdgeschoss mit Bühne ist ebenfalls ein hoher Raum. Über diesem sind die Tanz- und Theaterproben-Räume platziert, die eine geringere Raumhöhe benötigen.

Das Treppenhaus und die Aufzugsanlage führt bis zur begehbaren Dachebene und lässt eine zusätzliche Nutzung der Dachfläche zu. Wir beabsichtigten einen Teil der bebauten Grundstücksfläche wieder einer Nutzung zuzuführen. Diese Fläche ist vom Gebäuderand 10 Meter eingerückt, womit Überlegungen zur Sicherheit und Vandalismusgefahr erfüllt werden können. Diese Dachfläche kann als originelles Freiluftklassenzimmer, für Theaterproben oder einfach Entschleunigungsebene zum Ausruhen genutzt werden.

In zusammenfassender Betrachtung ist eine multifunktionales Gebäudeplanung entwickelt worden, die flexible zeitliche Nutzungen ebenso eröffnet wie sie Inanspruchnahme durch ganz verschiedene Menschen mit sehr unterschiedlichen Bedürfnisse und Neigungen der Nutzer zulässt. Ein neues Gebäude an diesem Standort nahezu mitten in der Stadt hat eben multifunktional nutzbar zu sein, um vielen gesellschaftlichen Anforderungen gerecht werden zu können.

Ich wünsche der Stadt Marburg und allen Beteiligten einen guten weiteren Verlauf für die folgenden notwendigen Schritte bis zum Baubeginn, damit dann ein zukunftsorientiertes Gebäude entstehen kann.   Bernd Brust – Bauart Architekten