Strohballen statt Beton – Mönche bauen nachhaltiges Gästehaus

Kassel 06.04.2021 Gastbeitrag von Ursula Wöll Der Klimawandel ist allgegenwärtig und wirksame Maßnahmen werden diskutiert. Neben einer Energieerzeugung mit Windkraft und Sonnenenergie und einer Verkehrswende hat das Bauen einen gewichtigen Anteil an einer umweltfreundlichen oder …

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Ina´s Welt – Eine beziehungsreiche Austellung zu Urbanitäten

140514 (yb) Aquarelle, Skulpturen und Installationen stellt Ina Weber in beiden Etagen des Marburger Kunstverein aus. Übergreifend in ihren Arbeiten ist die Auseinandersetzung mit gebauter Umwelt. Sie hat in Kassel bei Friedrich Salzmann, Harry Kramer und Martin Kippenberger studiert. In ihren Arbeiten thematisiert sie den urbanen Raum, wobei der Mensch als Bewohner nicht auftaucht. Es sind Bauwerke, Dekor, meist aus ihren Zusammenhängen herausgelöst, die Ina Weber den Betrachtern präsentiert. Sie ist vielerorts unterwegs gewesen, hat beobachtet und fotografische Notizen gesammelt. Ob aus Manchester, Wien oder Shanghei, ihre Wahrnehmungen zeichnet und formt sie zu Werken, mitunter in einem seriellen Kontext. Dem Betrachter ist überlassen ihre Arbeit einzuordnen. Dass in der globalisierten Welt es wachsende Uniformität gibt, ist ein bekanntes Phänomen. So finden sich etwa in den Einkaufszonen in verschiedenen Ländern und sogar Kontinenten die selben Markenhersteller und Labels mit ihren Produkten und formen dabei die Einkaufswelt in wiederholender Monotonie. Ina Weber interessiert das Abseitige, die Rückseite, wo sie Originäres entdeckt und sich zur künstlerischen Auseinandersetzung anmuten lässt. So etwa eine Hinterhoffassade aus Manchester in dem Aquarell ‚Fire Exit Manchester China Town‘ . Belüftungsschlitze, Klimaanlagen und Kabelwirrwarr an einer Hauswand, dazu auch der Fire Exit als Fluchtweg. Bei Ina Weber ist dies zu einem besonderen Stilleben geraten. Von Aufenthalten in der Metropole Shanghai hat sie keine imposanten Stadtansichten mitgebracht. Ihr Interesse haben die besonderen Gefährte von Müllsammlern geweckt. Solche finden sich als fahrradähnliche Ausrüstung von Kleinunternehmern, deren Existenz auf den Hinterlassenschaften des Großstadtlebens gründet. Neben einem Bäumchen mit kargen Grün abgestellt oder an einer einsamen Ampel postiert, können diese großformatigen Arbeiten neugierig machen. Ihrer Umgebung entkleidet werden sie zu starken und eindrücklichen Platzhaltern von Großstadtleben, abgestellt, irgendwo und umso klarer Zeugnis gebend und von Lebensweise berichtend. Nach der an den Wänden gehängten zeichnerischen und malerischen Auseinandersetzung in der unteren Halle erwartet und überrascht oben eine performative Präsentation. Hellrote und fahlblaue voluminöse Wasserrohre an den Wänden und aus ihnen herauswachsend greifen in den Ausstellungsraum ein, (be)ziehen das Gebaute in das Werk. ‚Fernwärme‘ ist Thema oder Anstiftung. Kühle und ferne Wärme, Zufluss und Abfluss aus weißer Wand oder gefliestem Bodenbelag. Mitten im Raum stehen als eine Werkgruppe in Waschbetondesign allzu vertraute kantige Pflanzkübel samt Bewuchs. Objekte, die zur verlegenen Möblierung des öffentlichen Raumes eingesetzt werden – und sich auch im Stadtbild von Marburg vielerorts ausmachen lassen – geraten zur stillen Mahnung, ja Anklage des abartigen Umgangs mit urbanen Räumen (dann lieber Hinterhoffassadenidylle). Daneben als Rekonstruktion das Mix Cafe, eine Bauruine, elektrisch verkabelt. Das Original findet sich in Shanghai, Anmutung furcht-bar. Der große Raum des Kunstverein ist Teil geworden, vereinnahmt und umgestaltet mit diesen Werken in ihrer stillen Eindrücklichkeit.

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Logos als Lampenschirme von Ina Weber. Alle Fotografien von Hartwig Bambey

Hinter einer Trennwand der nächste Anschlag von Ina Weber auf Vertrautes und Sehgewohnheiten. Ein Ensemble von selbstgebauten und geformten Lampions hängt von der Decke. In ihnen finden sich Logos, Markenzeichen und Piktogramme, die uns im Alltag schon nicht mehr auffallen, weil sie uns ständig umgeben. Zum Dekor in papiergeformten bunten Lampenschirmen transformiert, wartet eine weitere Zumutung in dieser Kunstausstellung als Forum der Auseinandersetzung und Vergegenwärtigung.

Ina Weber im Marburger Kunstverein. Bis 27. Juni. Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, Mittwoch 11 bis 20 Uhr. Jeden Samstag öffentliche Führung ab 16 Uhr.