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Gute Platzierung für Marburg bei der Nutzung von Sonnenenergie

Solar-Carport an der Kreisverwaltung Marburg. (Foto Hartwig Bambey)

Solar-Carport an der Kreisverwaltung Marburg. (Foto Hartwig Bambey)

Marburg 11-08.2015 (pm/red) Hessenweit Platz eins, bundesweit auf Platz 13 – so lautet das Spitzenresultat, das die Stadt Marburg innerhalb der Rangliste deutscher Städte und Kommunen in der „Solarbundesliga“ vorweisen könne, wird vom Presseamt mitgeteilt. Bürgermeister Dr. Franz Kahle hat mit Vertretern des Solarbereichs aus Marburg die Ergebnisse der diesjährigen Rangfolgenermittlung vorgestellt. „Dies ist ein sehr gutes Ergebnis für die Universitätsstadt Marburg“, freute er sich. Es zeige, dass die EinwohnerInnen der Stadt hinter der Energiewende stehen und sie aktiv vorantreiben“, so der Umweltdezernent.

Seit letztem Juni seien in der Universitätsstadt Marburg circa 500 Kilowatt (KW) Photovoltaikleistung und rund 150 Quadratmeter Solarthermiefläche neu installiert worden, erläuterte der Bürgermeister. Inzwischen seien damit insgesamt 13 MW Photovoltaikleistung und 7.200 Quadratmeter Solarthermieflächen im Stadtgebiet installiert. Das bedeute, dass zu einer schönen Mittagsstunde rund ein Drittel des in Marburg von den privaten Haushalten verbrauchten Stroms mit Sonnenenergie erzeugt werde, so der Bürgermeister. Während man im Süden Deutschlands auf Vollnutzungsstunden einer Photovoltaikanlage von 1.050 bis 1.100 Stunden komme, liege in Marburg eine gute Anlage bei 900 bis 950 Vollnutzungsstunden, erläuterte Kahle.

Was das Wachstum betrifft, bewege sich die Solarthermie bundesweit seit Jahren auf schwierigem, inzwischen stabilem Niveau. Dies spiegele sich in Marburg wider. Die gesetzliche Änderung der Bundesregierung habe leider dazu geführt, dass der Photovoltaik-Markt im letzten Jahr mit einer stark dezimierten Förderung eingebrochen sei. „In Marburg nicht ganz so deutlich wie im Bundestrend“, führte der Bürgermeister aus. Die EEG-Umlagepflicht, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) entstand, sowie die Erhebung einer Mehrwertsteuer auf Eigenverbrauch sei für viele Anlagenplaner schließlich zum K.O.-Kriterium geworden, machte Kahle deutlich. Dies sei sehr schade, da sich Photovoltaikanlagen nach wie vor sehr gut rechneten.

Allerdings habe Marburg eine sehr gute Grundlage im Handwerk, das sich mit Solarthermie und Photovoltaik eingehend beschäftige, betonte der Bürgermeister. Darüber hinaus erhole sich die deutsche Solarindustrie zurzeit. „Das Land Hessen wird eine Initiative starten, um Energie einzusparen und in Effizienzprogramme investieren“, machte der Umweltdezernent deutlich.

Wie Solarthermie neu angewandt werden könnte, stellte Andreas Wagner von der Firma Awasol mit der solarelektrischen Warmwasserbereitung vor. Diese Anlage sei nicht netzgekoppelt, so Wagner. Und durch die kostengünstigere Produktion von Solarmodulen sei es durchaus interessant, Strom direkt zur Warmwasserbereitung zu nutzen. Auf diese Weise spare man Installationsaufwand und Material, betonte Wagner. Besonders für den kleineren und mittleren Warmwasserbedarf sei dies von Vorteil. Das System verzichtet auf Wechselstrom und verwendet kostengünstigeren Gleichstrom. In dieser Kombination sei ein preisgünstiges, solares Warmwassersystem mit vereinfachter Montage entstanden. Gerade für Marburg wäre diese Lösung beispielsweise für Fachwerkhäuser, Gebäude mit geringen Möglichkeiten, Rohrleitungen zu ziehen, oder auch im mehrgeschossigen Wohnungsbau eine Alternative. Wagner betonte: „Der Trend geht zur dezentralen Warmwasserbereitung, gerade im Sanierungsbereich bietet das neue Möglichkeiten für Solartechnik.“

Volker Klös vom Verein Sonneninitiative, einer der größten Betreiber von Photovoltaikanlagen in Betreibermodellen in Marburg, Hessen und Süddeutschland, bedankte sich bei allen Beteiligten für die Unterstützung bei der Entwicklung von Bürgersonnenkraftwerken über viele Jahre. Er freue sich über volle Auftragsbücher und blickt optimistisch in die Zukunft.

Zum Eigenverbrauch und zur Optimierung der Eigennutzung informierten Matthias Knoche und Dieter Spratte von der GeWoBau. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft ist in Marburg die größte Betreiberin von privaten Solarstromanlagen. Sie hat seit Jahren in Solaranlagen auf ihren Wohngebäuden investiert und hat ein Bürgerbeteiligungsprogramm ins Leben gerufen. „Die GeWoBau hat jetzt eine GbR gegründet. Jeder, der Strom abnimmt, übernimmt auf freiwilliger Basis ein Risiko in Höhe des eigenen Stromverbrauchs“, so Prokurist Matthias Knoche. Mieter der GeWoBau in diesem Projekt erhielten den Strom zehn Prozent günstiger. Das gesamte Gas, das Blockheizkraftwerk (BHKW) und der Zusatzstrom würden von den Stadtwerken gekauft, führte Knoche aus. Für die Zukunft solle dies möglichst durch Photovoltaik ergänzt werden.

Als Energiedienstleister am Ort und für die Region verfolgen die Stadtwerke Marburg das Ziel, den Kundinnen und Kunden Ökostrom zu liefern. Ihr Bestreben ist, den Anteil des erneuerbaren Stroms weiter zu erhöhen und auch in anderen Bereichen wie in der Blockheizkrafttechnik voranzugehen. „Wir gestalten die Energiewende aktiv mit und investieren selbst in Anlagen. Zum anderen fördern die Stadtwerke auch Anlagen“, betonte Vertriebsleiter und Prokurist Holger Armbrüster. Seit 1995 bezuschusse ein Förderprogramm der Stadtwerke Marburg solarthermische Anlagen mit 250 Euro bei einem Deckungsgrad des Warmwasserbereiches von über 55 Prozent, so Armbrüster.

„Seit letztem Jahr werden auch die ersten Stromspeicher mit einer Kapazitätsgröße von vier bis fünfzehn Kilowattstunden gefördert“, machte der Stadtwerke-Vertriebsleiter deutlich. Wie bei der Solarthermie und Photovoltaik erhalten Kunden pro Anlage von den Stadtwerken Marburg 250 Euro, 1000 Euro von der Stadt Marburg und dazu eine Bafa-Förderung. Bei einem Stromspeicher belaufe sich die Förderung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) je nach Größe bei einem Standardspeicher von 8 bis 10 Kilowatt auf 3.000 bis 4.000 Euro.

Rückblickend auf einige Marksteine der Solar-Entwicklung in der Universitätsstadt Marburg berichtete Prof. Hans Ackermann von der Lokalen Agenda Ökologie. 1992 war der Prozess mit dem Tausend-Dächer-Programm der Bundesregierung mit dem Ziel gestartet, auf 1000 Dächern Photovoltaik-Anlagen zu installieren. Erste Anlagen wurden auch in Marburg gebaut. 1993 entstand die Solarthermie-Anlage mit unterstützter PV-Anlage im Sommerbad. Seit 1994 gibt es die Solarthermieanlage für drei studentische Wohnheime in Wehrda. 1997 folgte die Solaranlage auf der Emil-von-Behring-Schule. 2003 gründete sich der Verein Sonnen-Initiative in Marburg.

Ob das eigene Haus für Photovoltaik und Solarthermie geeignet ist, kann mit dem Marburger Solarkataster überprüft werden. Das Solarkataster ist unter www.marburg.de/solarkataster abrufbar.

Wer nicht über eigene Dachflächen verfügt oder wessen Dach nicht geeignet ist, kann sich über den Verein Sonneninitiative an Solaranlagen beteiligen: www.sonneninitiative.org.

Auskunft über alle Fördermöglichkeiten erteilt Christoph Jacobi von den Stadtwerken Marburg: (06421) 205 313.