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Publikation aus der Marburger Medizin: Die Hygiene-Hypothese als wissenschaftliches Konzept zur Entstehung von Zivilisationserkrankungen

14.10.2021 (pm) „The Hygiene Hypothesis and its Immunological Implications“ – so heißt das E-Book, das Prof. Dr. Holger Garn, Leiter des Forschungsbereichs für Translationale Entzündungsforschung und Prof. Dr. Dr. Petra Ina Pfefferle, Leiterin der Marburger Biobank, beide am FB Medizin der Philipps Universität, zusammen mit Dr. Idoia Postigo von der Universität in Bilbao (Spanien), als Gasteditoren der Fachzeitschrift „Frontiers in Immunology“ jetzt anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Hypothese herausgegeben haben.


Die Hygienehypothese stellt auch 30 Jahre nach Ihrer ersten Postulierung ein umfassendes und nach wie vor anerkanntes Konzept dar, das eine wesentliche Grundlage für die Ursachenforschung zu den sich in den letzten Jahrzehnten veränderten Krankheitsszenarien in Ländern der westlichen Welt bildet. Die Hypothese beruht auf der Beobachtung aus der epidemiologischen Forschung, dass Infektionserkrankungen in der Menschheitsgeschichte bis weit hinein in die Zeit der Industrialisierung dominierend waren, in der heutigen post-modernen Welt aber durch andere Krankheiten abgelöst wurden.

Hierzu zählen neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen und Krebs zunehmend auch Autoimmunerkrankungen und Allergien. Bei Letzteren spricht man von sogar einer Allergieepidemie, die sich in der Nachkriegsära in extrem ansteigenden Fallzahlen manifestiert.

Besonders Kinder werden wurden in letzten 30 Jahren immer häufiger mit Erkrankungen des allergischen Formenkreises (Heuschnupfen, Neurodermitis, Nahrungsmittelallergien und Asthma) in Arztpraxen vorgestellt und man geht heute davon aus, dass jedes vierte Kind im Laufe seines Lebens an einer allergischen Erkrankung leiden wird.

Sah man bis in die 80er Jahre die Ursache für diesen Anstieg noch in der Umweltverschmutzung, postulierte die Hygienehypothese zu Beginn der neunziger Jahre den postmodernen Lebensstil als treibende Kraft für den rapiden Zuwachs an Allergien. Der Trend zur Kleinfamilie, die verbesserte Hygiene in kommunalen Versorgungssystemen, in privaten Haushalten und bei der Babypflege, aber auch veränderte Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel im Freien führen ursächlich zu einem verminderten Kontakt zu einer Vielzahl an Mikroorganismen.

Dieser ist aber für die umfassende Stimulierung und damit Entwicklung des kindlichen Immunsystems erforderlich beginnend bereits im Mutterbauch und frühzeitig nach der Geburt erforderlich. Das Immunsystem benötigt diese frühen Kontakte, um die Antworten zu prägen, die uns einerseits eine kompetente Abwehr gegen krankmachende Keime verleihen, uns aber andererseits helfen, ungefährliche und häufig sogar nützliche Keime zu tolerieren.

Bedeutung mikrobieller Einflüsse auf Immunsystem
In dreißig Jahren Forschung konnten die zugrundeliegenden Mechanismen der Allergieentstehung- und Chronifizierung immer genauer charakterisiert werden. Die bahnbrechenden epidemiologischen Studien in Bauerfamilien in den Alpen, die präklinischen Modelle, an denen die beiden Marburger Wissenschaftler beteiligt waren, unterstrichen die Bedeutung mikrobieller Einflüsse auf das sich entwickelnde Immunsystem und die Darmflora, die entscheidend zur Immuntoleranz und zur Prävention allergischer Erkrankungen beiträgt.

Im aktuellen E-Book geben die beiden Wissenschaftler einen breiten Überblick über die Historie und Weiterentwicklung der Hypothese und zeigen neue Forschungsfelder auf, für die die Hygienehypothese zukünftig Impulse geben kann. Unter Einbindung von aktuellen Forschungsartikeln führender Forscher auf diesem Gebiet wird mit dem jetzt erschienenen E-Book ein umfassendes Bild zum Stand der Forschung entzündlicher Erkrankungen gegeben, wobei auch der Bogen zur aktuellen Pandemiesituation gespannt wird.

E-Book-Publikation mit CC-BY Lizenz
Garn, Postigo und Pfefferle war es dabei wichtig, dass dieses Kompendium auch einer breiten Fachöffentlichkeit zur Verfügung steht und hat das E-Book als Open-Access-Version beim Fachjournal „Frontiers in Immunology“ veröffentlicht. Das große Interesse der Fachkollegen ist bereits kurz nach Herausgabe durch mehr als 25.000 Aufrufe der E-Book-Seite https://www.frontiersin.org/research-topics/13209/hygiene-hypothesis-and-its-immunological-implications erkennbar.