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Astrid-Lindgren-Schule geht als erste Marburger Grundschule in den Ganztag

Die Kinder einer Ganztagsklasse weihen das „Bildungshaus am Richtsberg“ an der Astrid-Lindgren-Schule ein. Foto Stefanie Ingwersen

09.09.2021 (pm) Bildung, Zeit für Spiele und Fokus auf der persönlichen Entwicklung: Die Astrid-Lindgren-Schule geht als erste Marburger Grundschule in den teilgebundenen Ganztag – zunächst mit vier Klassen, wird von der Stadtverwaltung mitgeteilt. Die Stadt Marburg und die Schule haben zwei Jahre intensiv mit der Bildungsstätte am Richtsberg und dem Staatlichen Schulamt darauf hingearbeitet. Ziel sei es, bessere, individuellere Bildung und verlässliche Betreuung zu bieten.

„Im Zentrum der intensiven Arbeit in den vergangenen zwei Jahren standen dabei immer die Kinder. Für sie soll mit einem ,Bildungshaus am Richtsberg‘ ein Lern- und Lebensort geschaffen werden, an dem sie sich wohl fühlen, wo sie lernen können, gefördert und gefordert werden, toben können, Rückzugsorte finden, einfach im Freispiel ganz Kind sein können und so vieles mehr“, sagt Stadträtin und Bildungsdezernentin Kirsten Dinnebier. „Gleichzeitig wollen wir mit der Entwicklung hin zu einer Ganztagsschule auch bessere Bildungs- und Teilhabechancen für die Kinder am Richtsberg ermöglichen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern.“

Zum Schuljahresbeginn 2021/22 war es nun so weit. Als erste und mit etwa 380 Schülerinnen und Schülern größte Marburger Grundschule ist die Astrid-Lindgren-Schule (ALS) gemeinsam mit der Bildungsstätte am Richtsberg mit vier Klassen in einen verbindlichen Ganztag gestartet. Für die knapp 80 Kinder der vier Ganztagsklassen hat sich der Schulalltag damit deutlich verändert. Dienstags bis donnerstags sind sie jetzt immer bis 15 Uhr in der Schule. An diesen Tagen haben sie vormittags nicht nur Unterricht. Dienstag und Donnerstag gibt’s erst Unterricht, dann das sogenannte Stärkungsband und nach einem warmen Mittagessen und einer Pause dann nochmal Unterricht. Im Stärkungsband werden den Kindern in Kleingruppen verschiedene Angebote gemacht, die sie individuell fördern und fordern. Das umfasst zum Beispiel Fußball, Deutsch als Zweitsprache oder Improvisationstheater. Mittwoch ist der Unterricht weiterhin komplett vormittags – nach dem Mittagessen gibt es dann eine Projektzeit.

Der große Vorteil des verpflichtenden Ganztags für die Kinder in den vier Klassen ist: eine echte Rhythmisierung von Unterricht und weiteren Bildungs- und Spielangeboten wird möglich. „Wir haben im Ganztag viel mehr Möglichkeiten, auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen“, sagt Schulleiterin Claudia Herwig. „Wir können schulische und außerschulische Inhalte viel besser im Tagesverlauf miteinander verknüpfen und damit auch Phasen von Anspannung und Entspannung flexibler und bedürfnisorientierter über den Tag verteilen.“

Das wird auch dadurch möglich, dass sich im Ganztag neben der Schule auch die Stadt Marburg mit personellen und fachlichen Ressourcen aktiv einbringt. Jede Ganztagsklasse wird geleitet von einem Klassenteam bestehend aus einer Lehrkraft der Astrid-Lindgren-Schule und einer pädagogischen Fachkraft der bereits bestehenden Bildungsstätte am Richtsberg, die schon seit Jahren verlässliche Betreuung nach der Schule bietet. „Es ist nicht selbstverständlich, dass Kommunen eigene personelle Ressourcen in die Umsetzung des Ganztags einbringen. Die Universitätsstadt Marburg hat sich dafür aber bewusst entschieden“, so Kirsten Dinnebier.

„Bereits als es erste Ganztagsschulentwicklungen in Marburg gab, stand für uns fest, dass wir als Stadt und Schulträger unsere personellen Ressourcen nicht zurückfahren, wenn der Ganztagsausbau voranschreitet. Vielmehr wollen wir die Ressourcen der beiden Bereiche bündeln, noch besser miteinander verzahnen und so zu einer weiteren Qualitätsverbesserung von Unterricht und Betreuung beitragen.“ Von diesem Vorgehen profitieren letztendlich alle: Kinder, Familien, aber auch das Personal in den Einrichtungen.

Auch räumlich bringt der Ganztag Veränderungen mit sich. Den vier Ganztagsklassen stehen neben ihren Klassenräumen noch zwei Differenzierungsräume zur Verfügung. Sie können für Kleingruppenarbeiten im Unterricht, für Angebote während des Stärkungsbandes oder aber auch als offene (Rückzugs-)Räume genutzt werden. Für die Kinder und Fachkräfte in den Ganztagsklassen ist das eine deutliche Verbesserung. Möglich wurde das unter anderem durch kreative Alternativen für bislang anderweitig genutzte Räume. So wurde der vormals stationäre PC-Raum an der Schule beispielsweise durch einen Laptopwagen und IPads ersetzt. Das entspricht einerseits besser den heutigen technischen Gegebenheiten, andererseits ermöglicht es, das mobile Arbeiten mit dem PC oder Tablet.

Auch in der Bildungsstätte gab es Veränderungen: Unter anderem wurde die Mittagsverpflegung für die Ganztagsschüler/innen sichergestellt. Daher wurde die Versorgungsküche am Standort Karlsbader Weg 3 ausgebaut, Raumnutzungen verändert und zusätzliches flexibel nutzbares Mobiliar angeschafft. Jetzt können dort täglich etwa 150 Kinder mit Mittagessen versorgt werden. Das umfasst sowohl die Kinder, die die Bildungsstätte besuchen, als auch die Kinder, die am Ganztag teilnehmen.

„Der Anfang ist gemacht. Mit Blick auf die Zukunft müssen wir allerdings auch noch viele Herausforderungen bewältigen“ so Kirsten Dinnebier. „Derzeit verteilen sich die Astrid-Lindgren-Schule und Bildungsstätte auf insgesamt vier Standorte am oberen Richtsberg. Ideal ist das für den weiteren Ausbau des Ganztags noch nicht.“ Der logistische und organisatorische Aufwand, der dadurch entsteht, dass Kinder im Verlauf des Tages Angebote an verschiedenen Standorten haben, ist für alle Beteiligten schon jetzt hoch. Bei einer kontinuierlichen Ausweitung des Ganztagskonzeptes für alle Schüler ergäben sich sehr schnell Grenzen in der Umsetzung von pädagogischen und Raumnutzungskonzepten und zusätzlicher Raumbedarf. Da die Astrid-Lindgren-Schule bisher auch noch nicht über eine eigene Cafeteria verfügt, wäre die notwendige Mittagsversorgung aller knapp 400 Schülerinnen im Ganztag unter den aktuellen Bedingungen nicht möglich. Hier besteht für die Astrid-Lindgren-Schule durchaus ein Nachholbedarf gegenüber anderen Schulen im Stadtgebiet.

Für die Kinder und Familien ist der Start des Ganztags mit einem Teil der Grundschulkinder ein guter und wichtiger Schritt. „Bereits vor Schuljahresbeginn haben mich Eltern angesprochen und gefragt, ob ihr Kind, das nächstes Jahr eingeschult werden soll, in eine Ganztagsklasse kommen kann“, sagt Schulleitung Claudia Herwig. „Diese positive Resonanz der Eltern auf das, was wir hier geplant und umgesetzt haben, freut mich wirklich sehr und zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

„Wir möchten der Stadt Marburg für ihr Engagement und die tolle Zusammenarbeit in diesem Projekt danken“, sagt Gesche Herrler-Heycke vom Staatlichen Schulamt. Das wesentliche am Bildungshaus sei es, eine gerechte und allumfassende Bildung anzubieten. Auch Dr. Tina Heinzerling, Leiterin der Bildungsstätte am Richtsberg, bedankt sich bei allen Beteiligten für das gute Zusammenwirken: „Es wurde genau das richtige Tempo gefahren, um die Idee des ‚Bildungshauses am Richtsberg‘ angemessen umsetzen zu können.“ Erika Lotz-Halilovic, Ortsvorsteherin am Richtsberg, ergänzt: „Besonders hervorheben an diesem Projekt möchte ich, dass stets eine vertrauensvolle Atmosphäre herrschte, in der eine offene und lösungsorientierte Kommunikation geführt wurde – nur so konnte dieses Großprojekt erfolgreich ins Leben gerufen werden.“

Das bereits seit mehr als 25 Jahren vorhandene Betreuungsangebot der Bildungsstätte bleibt auch mit dem Einstieg in den Ganztag bestehen. Es steht allen Schülern der Astrid-Lindgren-Schule offen, unabhängig davon, ob das Kind in einer Ganztags- oder Halbtagsklasse ist. Das stellt sicher, dass Kinder montags bis freitags bis 17 Uhr betreut werden können, wenn es die Familien benötigen. „Je weiter die Ganztagsschulentwicklung an der Astrid-Lindgren-Schule voranschreitet, umso stärker wird aber auch die Verzahnung mit der außerschulischen Bildungsarbeit der Bildungsstätte“, so Kirsten Dinnebier. Mit der Verknüpfung verschiedener Professionen und unterschiedlicher Sichtweisen auf ein Kind sowie mit den vielfältigen Ansätzen für die pädagogische Arbeit von Schule und Bildungsstätte, sei die Perspektive für ein zukunftsfähiges ‚Bildungshaus am Richtsberg‘ geschaffen worden.“